Sommer

  • An die Wolken - Christian Morgenstern 
  • Sonnet 18 - William Shakespeare
  • Guter Rat - Theodor Fontane
  • Am leuchtenden Sommermorgen - Heinrich Heine
  • The way through the woods - Rudyard Kipling
  • Sonnenuntergang- Christian Morgenstern
  • Sommer - J. W. von Goethe 
  • Vormittag - Christian Morgenstern
  • Die Libelle - Emil Besser
  • All Things - William Wordworth
  • Spiegel der Muse - J. W. von Goethe
  • Sommer - Detlev von Liliencron
  • Im Sommer - Wilhelm Busch
  • Sunshine and Shadow - Ella Wheeler Wilcox 
  • Summer Sun- Robert Louis Stevenson 
  • Wegewarte - Hermann Löns
  • The weed - Ella Wheeler Wilcox
  • Die Distel - Adolf Pichler 
  • Vergissmeinnicht - Hoffmann von Fallersleben
  • Vergissmeinnicht - Max Dauthendey
  • In einem fremden Park - Rainer Maria Rilke
  • Fingerhütchen - Conrad Ferdinand Meyer
  • Foxgloves - Mary Webb
  • Mücke und Frosch - Otto Sommerstorff 
  • The Frog - James Whitcomb Riley
  • Ein Frosch - Friedrich von Logau
  • The Flower - Alfred Lord Tennyson 
  • Beauty and Beauty - Rupert Brooke
  • Rosa Hortensie - Rainer Maria Rilke
  • Dahlie - Karl Friedrich Mezger
  • I hide myself - Emily Dickinson
  • Den Gärtnern - Friedrich Rückert
  • Verblühter Löwenzahn - Josef Guggenmos
  • Mohnblumen - Hermann Löns
  • A castle in the air -Amy Lowell
  • The bumble-bee - Emily Dickinson
  • The Fly - William Blake
  • Hibiscus Flowers - Bernard Shaw
  • Gefunden - J. W. von Goethe
  • Clematis - Emily Dickinson
  • Tiere im Wald - Francisca Stoecklin
  • Die unendliche Woge - Klabund
  • An ihn - Else Lasker-Schüler
  • Die Enten - Christian Morgenstern
  • To make a prairie - Emily Dickinson
  • White currants - Amy Lowell
  • Backberry bush - John Bannister Tabb
  • On the Grasshopper - John Keats
  • The woodpecker - Emily Dickinson
  • Die Malve - Ludwig Uhland
  • Glycine's Song - Samuel T. Coleridge
  • Holunder - Rainer Maria Rilke
  • Call them flowers - Emily Dickinson
  • Schau mir in die Augen - Humphrey Bogart
  • Akelei - Johann Wolfgang von Goethe
  • A white blossom - D. H. Lawrence
  • Snapdragon - John Henry Newman
  • Schwertlilien - Francisca Stoecklin
  • To A Butterfly - William Wordsworth
  • Der Schmetterling - J. W. von Goethe 
  • Cherry-Ripe - Robert Herrick
  • Perfect Beauty - William Butler Yeats
  • Will there be a Morning? - Emily Dickinson 
  • The only Commandment - Emily Dickinson
  • The Evening Primrose - John Clare 
  • Flowers - Albert Laighton
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 An die Wolken

Und immer wieder,
 wenn ich mich müde gesehn
 an der Menschen Gesichtern,
 so vielen Spiegeln
 unendlicher Torheit,
 hob ich das Aug
 über die Häuser und Bäume
 empor zu euch,
 ihr ewigen Gedanken des Himmels.
 
Christian Morgenstern

Bild:  Himmel am Niederrhein, Juli 2010.

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Sonnet 18

Shall I compare thee to a summer’s day?
Thou art more lovely and more temperate:
Rough winds do shake the darling buds of May,
And summer’s lease hath all too short a date;
 
Sometime too hot the eye of heaven shines,
And often is his gold complexion dimm'd;
And every fair from fair sometime declines,
By chance or nature’s changing course untrimm'd;
 
But thy eternal summer shall not fade,
Nor lose possession of that fair thou ow’st;
Nor shall death brag thou wander’st in his shade,
 
When in eternal lines to time thou grow’st:
So long as men can breathe or eyes can see,
So long lives this, and this gives life to thee.
 
William Shakespeare

Eine moderne, wunderschöne Vertonung stammt von David Gilmoure, dem  Gitarristen, Sänger und Songwriter der britischen Rockgruppe Pink Floyd. https://www.youtube.com/watch?v=S8Osse7w9fs.

Bild:  Cosmeen im Garten 2021.

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Guter Rat

 

An einem Sommermorgen

Da nimm den Wanderstab,

Es fallen deine Sorgen

Wie Nebel von dir ab.

 

Des Himmels heitere Bläue

Lacht dir ins Herz hinein,

Und schließt, wie Gottes Treue,

Mit seinem Dach dich ein.

 

Rings Blüten nur und Triebe

Und Halme von Segen schwer,

Dir ist, als zöge die Liebe

Des Weges nebenher.

 

So heimisch alles klinget

Als wie im Vaterhaus,

Und über die Lerchen schwinget

Die Seele sich hinaus.

 

Theodor Fontane, 1819-1898


Bild:  Weg von Schraevelen nach Kevelaer. Sommer 2025.

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Am leuchtenden Sommermorgen
Geh ich im Garten herum.
Es flüstern und sprechen die Blumen,
Ich aber, ich wandle stumm.

Es flüstern und sprechen die Blumen,
Und schaun mitleidig mich an:
Sei unsrer Schwester nicht böse,
Du trauriger, blasser Mann!

Heinrich Heine, Buch der Lieder, 1827.

Bild: Stockrose aus dem Garten, Juli 2023.

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The Way through the Woods

They shut the road through the woods
       Seventy years ago.
 Weather and rain have undone it again,
       And now you would never know
 There was once a road through the woods
       Before they planted the trees.
 It is underneath the coppice and heath,
       And the thin anemones.
       Only the keeper sees
 That, where the ring-dove broods,
       And the badgers roll at ease,
 There was once a road through the woods.

 Yet, if you enter the woods
       Of a summer evening late,
 When the night-air cools on the trout-ringed pools
       Where the otter whistles his mate,
 (They fear not men in the woods,
       Because they see so few.)
 You will hear the beat of a horse’s feet,
       And the swish of a skirt in the dew,
       Steadily cantering through
 The misty solitudes,
       As though they perfectly knew
       The old lost road through the woods.
 But there is no road through the woods.

Rudyard Kipling, 1865-1936


Bild:  Blick über den Pfälzer Wald. Juli 2008.

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Sonnenuntergang

Am Untersaum
des Wolkenvorhangs
hängt der Sonne
purpurne Kugel.
Langsam zieht ihn
die goldene Last
zur Erde nieder,
bis die bunten Falten
das rotaufzuckende Grau
des Meeres berühren.

Ausgerollt ist
der gewaltige Vorhang.
Der tiefblaue Grund,
unten mit leuchtenden Farben
breit gedeckt,
bricht darüber
in mächtiger Fläche hervor,
karg mit verrötenden
Wolkengirlanden durchrankt
und mit silbernen Sternchen
glitzernd durchsät.
Aus schimmernden Punkten
schau ich das Bild
einer ruhenden Sphinx
kunstvoll gestickt.

Eine Ankerkugel,
liegt die Sonne im Meer.
Das eintauchende Tuch,
schwer von der Nässe,
dehnt sich hinein in die Flut.
Die Farben blassen,
mählig verwaschen.
Und bald strahlt
vom Himmel zur Erde
nur noch
der tiefe, satte Ton
blauschwarzer Seide.

Christian Morgenstern, 1871-1914

Bild:  Sonnenuntergang in Bad Bergzabern. 2006.

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Sommer

 Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze,
 und von den Auen dränget uns die Glut;
 doch dort am Wasserfall, am Felsensitze
 erquickt ein Trunk, erfrischt ein Wort das Blut.
 Der Donner rollt, schon kreuzen sich die Blitze,
 die Höhle wölbt sich auf zur sichern Hut,
 dem Tosen nach kracht schnell ein knatternd Schmettern;
 doch Liebe lächelt unter Sturm und Wettern.
 
 Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832
Aus dem Maskenzug 1810

Bild:  Sommer am Niederrhein 2019.

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Es war ein solcher Vormittag, 
wo man die Fische singen hörte; 

kein Lüftchen lief, kein Stimmchen störte,
kein Wellchen wölbte sich zum Schlag.

Nur sie, die Fische, brachen leis
der weit und breiten Stille Siegel
und sangen millionenweis'
dicht unter dem durchsonnten Spiegel.
 
Christian Morgenstern, 1871-1914

Bild:  Gold-Fische im Gartenteich, Juli 2020.

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Die Libelle

Was bist du, kleines märchenhaftes Ding?
Nicht Käfer bist du und nicht Schmetterling, —
Mit deinen wunderfarbnen Flügelein
Wie Seide schillernd und wie Spinnweb fein,
So zart und leicht, dass dich ein Hauch entführt,
Dass kaum die Blüte deinen Kuss verspürt, —
Was bist du, — Libelle — ?
 
Bist du ein Traum, den einst ein Wandersmann
An dieses Wassers stillem Ufer spann?
Ein Lichtgedanke, der den müden Sinn
Ganz leise zog ins Land der Schönheit hin?
Ein kleines süßes, kaum geflüstert Lied,
Das ihm der Waldgeist von der Lippe riet? —
Was bist du, — Libelle — ?
 
Bist eine Seele du, so fein und zart,
Dass ihr das Menschenlos zu rauh und hart?
Die in dem lauten Treiben dieser Zeit
So durstig war nach Waldeseinsamkeit,
Dass sie der Sehnsucht magische Gewalt
Verzauberte in deine Duftgestalt? —
Was bist du? — Libelle — ?


Emil Besser, 1863-1908


Bild:  Libelle an der Niers bei Schloss Wissen, Juni 2024.

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All Things that Love the Sun      
       

All things that love the sun are out of doors;
The sky rejoices in the morning’s birth;
The grass is bright with rain drops; - on the moors
The hare is running races in her mirth;
And with her feet she from the plashy earth
Raises a mist, that glittering in the sun,
Runs with her all the way, wherever she doth run.                               
 
William Wordworth, 1770-1850
From Resolution and Independence    


Bild:  Hase im Lavendelfeld am Niederrhein, Juni 2024.

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Spiegel der Muse

Sich zu schmücken begierig, verfolgte den rinnenden Bach einst
Früh die Muse hinab, sie suchte die ruhigste Stelle.
Eilend und rauschend indes verzog die schwankende Fläche
Stets das bewegliche Bild; die Göttin wandte sich zürnend;
Doch der Bach rief hinter ihr drein und höhnte sie: »Freilich
Magst du die Wahrheit nicht sehn, wie rein dir mein Spiegel sie zeiget!«
Aber indessen stand sie schon fern, am Winkel des Sees,
Ihrer Gestalt sich erfreuend, und rückte den Kranz sich zurechte.

Johann Wolfgang von Goethe,  1749-1832


Bild: Spiegelung im Gartenteich. Juli 2020.

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Sommer

Zwischen Roggenfeld und Hecken
 Führt ein schmaler Gang;
 Süßes, seliges Verstecken
 Einen Sommer lang.

Wenn wir uns von ferne sehen,
 Zögert sie den Schritt,
 Rupft ein Hälmchen sich im Gehen,
 Nimmt ein Blättchen mit.

Hat mit Ähren sich das Mieder
 Unschuldig geschmückt,
 Sich den Hut verlegen nieder
 In die Stirn gedrückt.

Finster kommt sie langsam näher,
 Färbt sich rot wie Mohn;
 Doch ich bin ein feiner Späher,
 Kenn die Schelmin schon.

Noch ein Blick in Weg und Weite,
 Ruhig liegt die Welt,
 Und es hat an ihre Seite
 Mich der Sturm gestellt.

Zwischen Roggenfeld und Hecken
 Führt ein schmaler Gang;
 Süßes, seliges Verstecken
 Einen Sommer lang.

Detlev von Liliencron, 1844-1909

Bild:  Das Rosendorf Lottum in den Niederlanden an der Maas, Juni 2018.

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Im Sommer

In Sommerbäder
Reist jetzt ein jeder
Und lebt famos.
Der arme Dokter,
Zu Hause hockt er
Patientenlos.

Von Winterszenen,
Von schrecklich schönen,
Träumt sein Gemüt,
Wenn, Dank der Götter,
Bei Hundewetter
Sein Weizen blüht.

Wilhelm Busch , 1832-1908

Bild: Zoutelande im Sommer 2008.

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Sunshine and shadow

Life has its shadows, as well as its sun;
 Its lights and its shades, all twined together.
I tried to single them out, one by one,
 Single and count them, determining whether
 There was less blue than there was grey,
 And more of the deep night than of the day.
 But dear me, dear me, my task’s but begun,
 And I am not half way into the sun.

Ella Wheeler Wilcox, 1850-1919

Bild:  Wald hinter Schloss Wissen bei Weeze am Niederrhein. August 2019.

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 Summer Sun

Great is the sun, and wide he goes 
 Through empty heaven with repose; 
 And in the blue and glowing days 
 More thick than rain he showers his rays. 
 
 Though closer still the blinds we pull 
 To keep the shady parlour cool, 
 Yet he will find a chink or two 
 To slip his golden fingers through. 
 
 The dusty attic spider-clad 
 He, through the keyhole, maketh glad; 
 And through the broken edge of tiles 
 Into the laddered hay-loft smiles. 
 
 Meantime his golden face around 
 He bares to all the garden ground, 
 And sheds a warm and glittering look 
 Among the ivy's inmost nook. 
 
 Above the hills, along the blue, 
 Round the bright air with footing true, 
 To please the child, to paint the rose, 
 The gardener of the World, he goes. 

Robert Louis Stevenson, 1850-1894

Bild:  Landschaft bei Alkmaar in den Niederlanden, Sommer 2011.

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Wegewarte

Es steht eine Blume,
Wo der Wind weht den Staub,
Blau ist ihre Blüte,
Aber grau ist ihr Laub.

Ich stand an dem Wege,
Hielt auf meine Hand,
Du hast deine Augen
Von mir abgewandt.

Jetzt stehst du am Wege,
Da wehet der Wind,
Deine Augen, die blauen,
Vom Staub sind sie blind.

Da stehst du und wartest,
Daß ich komme daher,
Wegewarte, Wegewarte,
Du blühst ja nicht mehr.

Hermann Löns, 1922 

Varieties of the plant with its light blue blossoms are cultivated for salad leaves, chicons and roots used as coffee substitute and food additive. Since ancient egyptian times it has also been used as a medicinal plant, e. g. by Paracelsus, Hildegard von Bingen, and Kneipp. In Germany the Wegwarte was the “Medicinal Plant of the Year” in 2020. The flower has played a role in the mythology of the middle ages and was likely the template for the romantic “Blue Flower” poetry introduced by the German poet Novalis. The “Blaue Blume” stands for the metaphysical desire to strive the unreachable. It is also represents love, hope and beauty. For Löns’ poem I could not find a good English translation which is in public domain. It is however relatively easy to translate. Try it.

Bild:  Wegwarte am Ruhrufer in Alstaden, Oberhausen. Juli 2020.

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The Weed

 A weed is but an unloved flower!
 Go dig, and prune, and guide, and wait,
 Until it learns its high estate,
 And glorifies some bower.
 A weed is but an unloved flower!
All sin is virtue unevolved,
 Release the angel from the clod –
 Go love thy brother up to God.
 Behold each problem solved.
 All sin is virtue unevolved.
 
Ella Wheeler Wilcox, 1850-1919 


Bild:  Ruprechtskraut an der Maas bei Arcen. Juni 2023.

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Die Distel

Steif im starren Stachelpanzer
Prangt der Distel Purpurhaupt,
Und sie prahlt: "Noch keiner hat mir
Je das kleinste Blatt geraubt."

Adolf Pichler, 1819-1900 


Bild:  Distel an der Maas bei Arcen. Juni 2023

Vergissmeinnicht
 
Es blüht ein schönes Blümchen
 Auf unsrer grünen Au.
 Sein Aug' ist wie der Himmel
 So heiter und so blau.

Es weiß nicht viel zu reden
 Und alles, was es spricht,
 Ist immer nur dasselbe,
 Ist nur: Vergissmeinnicht.

Wenn ich zwei Äuglein sehe
 So heiter und so blau,
 So denk' ich an mein Blümchen
 Auf unsrer grünen Au.

Da kann ich auch nicht reden
 Und nur mein Herze spricht,
 So bange nur, so leise,
 Und nur: Vergissmeinnicht.

Hoffmann von Fallersleben, 1798-1874

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Die kleinen schwachblauen Vergissmeinnicht

Sind die Blumen vom wachsenden Vertrauen.
Sie sehen dir offenherzig ins Angesicht
Wie Gedanken, die im Denken aufschauen;
Gedanken, die Pläne ins Grüne bauen,
Von denen der Mund nicht laut spricht;
Gleich den Augen der stillen verschwiegenen Frauen,
Die unter dem Maienhimmel auftauen
Und legen Geständnisse ab, die ihnen längst aus den Wimpern schauen.

Max Dauthendey, 1867-1918

Bild: Vergissmeinnicht im Garten, Juni 2020.

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In einem fremden Park
Borgeby-Gard

Zwei Wege sinds. Sie führen keinen hin.
Doch manchmal, in Gedanken, läßt der eine
dich weitergehn. Es ist, als gingst du fehl;
aber auf einmal bist du im Rondel
alleingelassen wieder mit dem Steine
und wieder auf ihm lesend: Freiherrin
Brite Sophie - und wieder mit dem Finger
abfühlend die zerfallne Jahreszahl -,
warum wird dieses Finden nicht geringer?

Was zögerst du ganz wie zum ersten Mal
erwartungsvoll auf diesem Ulmenplatz,
der feucht und dunkel ist und nie betreten?

Und was verlockt dich für ein Gegensatz,
etwas zu suchen in den sonnigen Beeten,
als wärs der Name eines Rosenstocks?

Was stehst du oft? Was hören deine Ohren?
Und warum siehst du schließlich, wie verloren,
die Falter flimmern um den hohen Phlox.

Rainer Maria Rilke, 1875-1926; Gedicht: 1904.

Bild: Phlox im Garten, Juli 2023.

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 Fingerhütchen


Fingerhut steht plötzlich still,
 Tastet leicht und leise,
 Ob er wieder wachsen will?
 Nein, in keiner Weise!
 Selig preist er Nacht und Stunde,
 Da er sang im Geisterbunde -
 Fingerhütchen wandelt schlank,
 Gleich als hätt' er Flügel,
 Seit er schlummernd niedersank
 Nachts am Elfenhügel.

 Conrad Ferdinand Meyer, 1825-1898
Auszug aus „Fingerhütchen“ 

Bild:  Im Wald der Binnenheide am Niederrhein in Kevelaer. Juni 2020. 

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 Foxgloves

The foxglove bells, with lolling tongue,
 Will not reveal what peals were rung
 In Faery, in Faery,
 A thousand ages gone.
All the golden clappers hang
 As if but now the changes rang;
 Only from the mottled throat
 Never any echoes float.
 Quite forgotten, in the wood,
 Pale, crowded steeples rise;
 All the time that they have stood
 None has heard their melodies.
 Deep, deep in wizardry
 All the foxglove belfries stand.
 Should they startle over the land,
 None would know what bells they be.
 Never any wind can ring them,
 Nor the great black bees that swing them--
 Every crimson bell, down-slanted,
 Is so utterly enchanted.
 
Mary Webb, 1881-1927

Bild:  Roter Fingerhut im Garten, Juni 2021

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Mücke und Frosch


Die Mücke sprach zum Frosch: „Respekt!
Ich bin ein mächtiges Insekt,
Sie ahnen nicht, was in mir steckt!
Aus mir wird manchmal über Nacht
Sogar ein Elefant gemacht! -“
- „Hm, ich bin Realist, mein Kind,
Und nehm’ die Dinge, wie sie sind“
Sprach drauf der Frosch gemessen
Und hat sie aufgefressen.


Otto Sommerstorff, 1859-1934


Bild: Am Gartenteich im Juli 2017.

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  The Frog

    Who am I but the Frog - the Frog!
         My realm is the dark bayou,
     And my throne is the muddy and moss-grown log
         That the poison-vine clings to -
     And the blacksnakes slide in the slimy tide
         Where the ghost of the moon looks blue.
 
     What am I but a King - a King! -
         For the royal robes I wear -
     A scepter, too, and a signet-ring,
         As vassals and serfs declare:
     And a voice, god wot, that is equaled not
         In the wide world anywhere!
 
     I can talk to the Night - the Night! -
         Under her big black wing
     She tells me the tale of the world outright,
         And the secret of everything;
     For she knows you all, from the time you crawl,
         To the doom that death will bring.
 
     The Storm swoops down, and he blows - and blows, -
         While I drum on his swollen cheek,
     And croak in his angered eye that glows
         With the lurid lightning's streak;
     While the rushes drown in the watery frown
         That his bursting passions leak.
 
     And I can see through the sky - the sky -
         As clear as a piece of glass;
     And I can tell you the how and why
         Of the things that come to pass -
     And whether the dead are there instead,
         Or under the graveyard grass.
 
     To your Sovereign lord all hail - all hail! -
         To your Prince on his throne so grim!
     Let the moon swing low, and the high stars trail
         Their heads in the dust to him;
     And the wide world sing:  Long live the King,
         And grace to his royal whim! 


James Whitcomb Riley, 1849-1916

Picture taken in the garden in June 2020. 

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Ein Frosch

Die Stimm ist groß, der Mann ist klein;
Was nahe nichts, hat ferne Schein. 

Friedrich von Logau, 1605-1655 


Bild:  Teich bei Schloss Wissen. Weeze am Niederrhein, Juni 2023.

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The Flower

Once in a golden hour
 I cast to earth a seed.
 Up there came a flower,
 The people said, a weed.
 
 To and fro they went
 Thro' my garden bower,
 And muttering discontent
 Cursed me and my flower.
 
 Then it grew so tall
 It wore a crown of light,
 But thieves from o'er the wall
 Stole the seed by night.
 
 Sow'd it far and wide
 By every town and tower,
 Till all the people cried,
 'Splendid is the flower! '
 
 Read my little fable:
 He that runs may read.
 Most can raise the flowers now,
 For all have got the seed.
 
 And some are pretty enough,
 And some are poor indeed;
 And now again the people
 Call it but a weed.

Alfred Lord Tennyson, 1809-1892
 
Bild:  Duftende Platterbse am Alstandener Biotop im Juli 2020.

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Beauty and Beauty
 
When Beauty and Beauty meet
    All naked, fair to fair,
The earth is crying-sweet,
    And scattering-bright the air,
Eddying, dizzying, closing round,
    With soft and drunken laughter;

 Veiling all that may befall
    After—after—
Where Beauty and Beauty met,
    Earth’s still a-tremble there,
 And winds are scented yet,
    And memory-soft the air,
 Bosoming, folding glints of light,
    And shreds of shadowy laughter;
 Not the tears that fill the years
    After—after—

Rupert Brooke, 1887-1915

The tigridia flower is beautiful, but short lived and often blooms for only one day. 
Picture of the tiger flower taken in our garden in August 2020. 

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Hydrangeas

Dragoons, I tell you the white hydrangeas turn rust and go soon.
Already mid September a line of brown runs over them.
One sunset after another tracks the faces, the petals.
Waiting, they look over the fence for what way they go.

Carl Sandburg, 1878 - 1967

Picture from the garden in Kevelaer, September 2022

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Dahlie

An Schönheit bist du zwar die Königin;
Denn selbst der Schmuck der vielgepries`nen Rose
Reicht nicht an deine bunte Schönheit hin.
Doch ruht kein Immlein aus in deinem Schoße,
Weil dir von Honigduft fehlt jede Spur. - 
Du prahlst mit Glanz und - äußerer Schönheit nur.
 
Und du mit wunderbarem Götterleib,
So schön wie wenig Sterbliche ihn tragen,
Bist wohl gepriesen als das schönste Weib.
Doch bitter wehmutsvoll muß ich es sagen,
Daß du der Dahlie gleichst, die ohne Duft
Nur schön geschmückt ist wie - die Totengruft.

Karl Friedrich Mezger, 1880-1911

Bild:  Im Garten im September 2021.

emily dickinson within my flower hide lilie lily sommer summer kunst niederau art photo nature poem gedicht claus vera

I hide myself within my flower,
That wearing on your breast,
You, unsuspecting, wear me too --
And angels know the rest.


I hide myself within my flower,
That, fading from your vase,
You, unsuspecting, feel for me
Almost a loneliness.


Emily Dickinson, 1830-1886

Bild: Im Inneren der Blume, Juli 2020.

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Den Gärtnern

 

Ich zog eine Winde am Zaune 
und was sich nicht wollte winden 
begann ich aufzubinden. 
Und dachte, fuer mein Muehen 
sollt es nun froehlich bluehen. 


Doch bald hab ich gefunden 
dass ich umsonst mich muehte; 
nicht, was ich angebunden, war 
was am schoensten bluehte 
sondern, was ich liess ranken 
nach seinen eigenen Gedanken. 

 

Friedrich Rückert, 1788-1866 


Bild:  Weiße Winden im Garten, Juni 2023.

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 Mohnblumen
 
Mit roten Feldmohnblumen
Hatt’ ich dein Haar geschmückt,
Die roten Blumenblätter
Die sind nun alle zerdrückt.
 
Du bist zu mir gekommen
Beim Abendsonnenschein,
Und als die Nacht hereinbrach,
Da ließest du mich allein.
 
Ich höre die Stille rauschen
Und sehe die Dunkelheit sprühn,
Vor meinen träumenden Augen
Purpurne Mohnblumen blühn.

Hermann Löns, 1866-1914

Bild:  Mohnwiese bei Kevelaer, Juni 2022.

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A castle in the air

Every castle of the air
Sleeps in the fine black grains, and there
Are seeds for every romance, or light
Whiff of a dream for a summer night.

Amy Lowell, 1874-1925

Excerpt from “Sword Blades and Poppy Seed”. Poppy capsule. 
Picture from the garden in July 2020.

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The bumble-bee -

SOME things that fly there be,—              

Birds, hours, the bumble-bee:   

Of these no elegy.


Some things that stay there be,—           

Grief, hills, eternity:               

Nor this behooveth me.


There are, that resting, rise.       

Can I expound the skies?            

How still the riddle lies!

Emily Dickinson, 1830-1886

Bild: 
 Erdhummel auf japanischem Spierstrauch im Garten im August 2020. Bumble-bee on a spiraea japonica.  
There is a nice short piece of music by Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow where you can here the bumble-bee flight (Hummelflug). You find it e.g. via Youtube or Spotify. 

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The Fly

Little fly,
Thy summer’s play
My thoughtless hand
Has brushed away. 


Am not I
A fly like thee?
Or art not thou
A man like me? 


For I dance
And drink and sing,
Till some blind hand
Shall brush my wing. 


If thought is life
And strength and breath,
And the want
Of thought is death, 


Then am I
A happy fly,
If I live,
Or if I die. 


William Blake, 1757-1827

Bild aus dem Garten. Juni 2020. 

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Hibiscus Flowers

Hibiscus Flowers where ever I look,
Reds and blues and the pretty white,
Freshly taken from a picture book,
They fill me with great delight.

Indoor Hibiscus Flowers delicate yellow,
Potted plants in my snug flat,
Great beauty that turns me mellow,
To all Gardeners I take off my hat.

The hibiscus is a flower to please,
Grown in a warm and temperate clime.
Reds, blues and whites do tease,
With glowing colours so sublime.

Bernard Shaw, 1856-1950


Bild:  Hibiskus im Garten, August 2020.

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Gefunden

Ich ging im Walde 
So für mich hin
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn 

Im Schatten sah ich
ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön. 

Ich wollt' es brechen.
Da sagt es fein: 
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein? 

Ich grub's mit allen
Den Würzlein aus,
zum Garten trug ichs
Am hübschen Haus.

Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.

Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832


Bild: Storchschnabel bei Kasteel Well, Niederlande, im Juni 2023.

emily dickinson clematis lover faith blue pink  niederrhein sommer summer kunst niederau art photo nature poem gedicht claus

'Tis Customary as we part
A Trinket — to confer —
It helps to stimulate the faith
When Lovers be afar —
 
'Tis various — as the various taste —
Clematis — journeying far —
Presents me with a single Curl
Of her Electric Hair —


Emily Dickinson, 1830-1886

Bild:  Clematis in einem Vorgarten am Niederrhein im Sommer 2020.

rehe deer wald woods pfalz geheim scheu sommer summer kunst niederau art photo nature poem gedicht claus franciska stoeccklin

Tiere im Wald
 
Wald, wie betreuend
verhüllst du die Tiere
in deinem unendlichen
Rauschen und Schweigen.
Fern den Menschen
sind sie am schönsten.
Geheim im Blau.
Selten, daß dir ein Reh
am Waldrand scheulos begegnet.
Den runden Tierblick
in deine Menschenaugen taucht.
– Und ward es dir nicht
wie ein geisterhaftes Berühren,
Wink aus dem Zwischenreich
deine Sehnsucht schmerzend –?
 
Tiere und Bäume
sind sinnvoll verschwistert,
teilen des Waldes Geheimnis. 


Francisca Stoecklin, 1894-1931 

 

Bild aus dem Pfälzerwald 2005.

Klabund chinesische unendliche woge nordsee north sea beach sommer summer kunst niederau art photo nature poem gedicht claus

Die unendliche Woge

Wie des Meeres Wellen

Auf und nieder wellen:

Also wogt unendlich mein Verlangen,

Dich zu fangen, zu umfangen.

Wie entflieh ich meinem Wahne?

Neige ich mich aus dem Kahne:

Immer seh den einzigen Gedanken

Ich im Meere auf und nieder schwanken. 

 

Klabund, 1890-1928

Aus: Chinesische Nachdichtungen

Klabund war das Pseudonym des deutschen Schriftstellers Alfred Hentschke. Er setzte das Wort aus Klabautermann und Vagabund zusammen.

 
Bild:  Nordsee-Küste in Zeeland 2008

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An ihn

Komm zu mir in der Nacht – wir schlafen eng verschlungen.
Müde bin ich sehr, vom Wachen einsam.
Ein fremder Vogel hat in dunkler Frühe schon gesungen,
Als noch mein Traum mit sich und mir gerungen.
 
Es öffnen Blumen sich vor allen Quellen
und färben sich mit deiner Augen Immortellen ...
 
Komm zu mir in der Nacht auf Siebensternenschuhen
In Liebe eingehüllt spät in mein Zelt.
Es steigen Monde aus verstaubten Himmelstruhen.
 
Wir wollen wie zwei seltene Tiere liebesruhen
Im hohen Rohre hinter dieser Welt.
 
Else Lasker-Schüler, 1869 - 1945

 

Else Lasker-Schüler was a German Jewish poet and one of the few women affiliated with the Expressionist movement. She fled Nazi Germany and lived the rest of her life in Jerusalem.  A good part of her work is love poetry including religious and oriental themes. The poem „An ihn“ („For Him“) is dedicated to her last love Ernst Simon and part of her last poetry collection „Mein blaues Klavier“ published in 1943. An English translation of „My Blue Piano“ Haxton has been published by Brooks in 2015. The translation is not in the public domain but you can buy it: Syracuse University Press. ISBN-10 081563420X. ISBN-13 978-0815634201.

Bild:  Am Kreuzweg in Kevelaer im Juni 2020.

ente schlittschuh christian morgenstern teich wisssen

Die Enten laufen Schlittschuh

auf ihrem kleinen Teich.
Wo haben sie denn die Schlittschuh her -
sie sind doch gar nicht reich?
 
Wo haben sie denn die Schlittschuh her?
Woher? Vom Schlittschuhschmied!
Der hat sie ihnen geschenkt, weißt du,
für ein Entenschnatterlied.
 
Christian Morgenstern, 1871-1914


Bild:  Teich vor Schloss Wissen, 2020.

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To make a prairie it takes a clover and one bee,-
One clover, and a bee,
And revery.
The revery alone will do
If bees are few. 


Emily Dickinson, 1830-1886

Bild: Biene im Garten. Juli 2021.

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White Currrants

Shall I give you white currants? 
I do not know why, but I have a sudden fancy for this fruit. 
At the moment, the idea of them cherishes my senses, 
And they seem more desirable than flawless emeralds. 
Since I am, in fact, empty-handed, 
I might have chosen gems out of India, 
But I choose white currants. 
Is it because the raucous wind is hurtling round the house-corners? 
I see it with curled lips and stripped fangs, gaunt and haunting energy, 
Come to snout, and nibble, and kill the little crocus roots. 
Shall we call it white currants? 
You may consider it as a symbol if you pelase. 
You may find them tart, or sweet, or merely agreeable in colour, 
So long as you accept them, 
And me. 


Amy Lowell, 1874-1925

Bild:  Im Garten im Juli 2020.

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A Blackberry Bush

Behold, above the hidden root,
 How white the bloom, how black the fruit!
 Of Time, forever out of sight,
 How bright the day, how dark the night!

John Bannister Tabb, 1845-1909

Bild:  Brombeeren in allen Reifestadien am Alstadener Ruhrufer im Juli 2020.

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On the Grasshopper and Cricket 

  

The Poetry of earth is never dead:    

  When all the birds are faint with the hot sun,    

  And hide in cooling trees, a voice will run    

From hedge to hedge about the new-mown mead;    

That is the Grasshopper’s—he takes the lead       

  In summer luxury,—he has never done    

  With his delights; for when tired out with fun    

He rests at ease beneath some pleasant weed.    

The poetry of earth is ceasing never:    

  On a lone winter evening, when the frost      

    Has wrought a silence, from the stove there shrills    

The Cricket’s song, in warmth increasing ever,    

  And seems to one in drowsiness half lost,    

    The Grasshopper’s among some grassy hills.

John Keats, 1795-1821


Bild.  Großes Grünes Heupferd im Garten. Juli 2020.

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The woodpecker 


His bill an auger is,
His head, a cap and frill.
He laboreth at every tree, —
A worm his utmost goal.

Emily Dickinson, 1830-1886

Picture taken in the woods near Weeze, Niederrhein. May 2020. 

kunst niederau summer sommer poem Ludwig Uhland  Goethe Stockrose Malve alcea rosea hollyhock malve zeeland

Die Malve

Wieder hab ich dich gesehen,
Blasse Malve! blühst du schon?
Ja! mich traf ein schaurig Wehen,
All mein Frühling welkt davon.
Bist du doch des Herbstes Rose,
Der gesunknen Sonne Kind,
Bist die starre, düftelose,
Deren Blüten keine sind.
 
Gerne wollt ich dich begrüßen,
Blühtest du nicht rosenfarb,
Lögst du nicht das Rot der Süßen,
Die noch eben glüht' und starb.
Heuchle nicht des Lenzes Dauer!
Du bedarfst des Scheines nicht;
Hast ja schöne, dunkle Trauer,
Hast ja weißes, sanftes Licht.
 
Ludwig Uhland, 1787-1862

Goethe’s favorite flower:  Stockrose, Malve, alcea rosea, hollyhock, malva real, rose trémière, passe-rose, malvarosa. Picture taken in 2008 in Zeeland, Netherlands.

glycine glyzinie blauregen samuel coleridge blau blue sommer summer kunst niederau art photo nature poem gedicht claus vera

 Glycine's Song

A sunny shaft did I behold,
From sky to earth it slanted:
And poised therein a bird so bold
Sweet bird, thou wert enchanted!
He sank, he rose, he twinkled, he troll’d
Within that shaft of sunny mist;
His eyes of fire, his beak of gold,
All else of amethyst!
And thus he sang: ‘Adieu! adieu!
Love’s dreams prove seldom true.
The blossoms, they make no delay:
The sparking dew-drops will not stay.
Sweet month of May,
We must away;
Far, far away!
To-day! to-day!’

 Samuel Taylor Coleridge, 1772-1834


Bild aufgenommen am Niederrhein bei Kevelaer, Juni 2020.

Rainer Maria Rilke  Garten kunst niederau summer sommeruli 2020. Schwarzer Holunder black elder sureau noir sambucus nigra

Holunder

 

Unheil droht dir unabwendig:

Rose glänzt zwar, doch sie sticht.

Ich nur bleibe stets beständig,

glaube mir, verkenn mich nicht.

 

Rainer Maria Rilke, 1875-1926

Bild aus dem Garten im Juli 2020. Schwarzer Holunder, black elder, sureau noir, sambucus nigra.

Mädchenauge Tickseed Coreopsis emily dickinson kunst niederau vera claus sommer summer flowers blumen garten garden photo

 If the foolish, call them "flowers"—

 Need the wiser, tell?
 If the Savants "Classify" them
 It is just as well!
 
 Those who read the "Revelations"
 Must not criticize
 Those who read the same Edition—
 With beclouded Eyes!
 
 Could we stand with that Old "Moses"—
 "Canaan" denied—
 Scan like him, the stately landscape
 On the other side—
 
 Doubtless, we should deem superfluous
 Many Sciences,
 Not pursued by learned Angels
 In scholastic skies!
 
 Low amid that glad Belles lettres
 Grant that we may stand,
 Stars, amid profound Galaxies—
 At that grand "Right hand"!

Emily Dickinson, 1830-1886


Bild:  Aus dem Garten  im August 2020:  Mädchenauge. Tickseed. Coreopsis. 

humprey bogart casablanca movie schau mir in die Augen kleines Marienkäfer garten garden lady bug nature

 „Schau mir in die Augen, Kleines“

Humphrey Bogart. Casablanca, 1942.

Bild: Marienkäfer im Garten. Sommer 2020.

Akelei goethe gedicht poem gepflückt blumen strauß rosa pink kunst niederau vera claus art garten garden

Akelei


Schön erhebt sich der Aglei
und senkt das Köpfchen herunter.
Ist es Gefühl oder ist's Mutwill?
Ihr ratet es nicht.

Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832

Bild:  Akelei aus dem Garten, gepflückt im Juni 2020.

white blossoms zauberglöckchen dh lawrence kunstniederau vera claus photo poem gedicht summer sommer garden art

A White Blossom
 

A tiny moon as small and white as a single jasmine flower
Leans all alone above my window, on night’s wintry bower
Liquid as lime-tree blossom, soft as brilliant water or rain
She shines, the first white love of my youth, passionless and in vain, 


D. H. Lawrence, 1885-1930 


Bild:  Aus dem Garten im April 2022:  Zauberglöckchen, million bells, calibrachoa 


Snapdragon Löwenmäulchen dragon flower bocca di leone mufliers kunst niederau summer sommer blumen flowers garden photo art

Snapdragon.  A Riddle for a Flower Book.
 
 I am rooted in the wall 
 Of buttress'd tower or ancient hall; 
 Prison'd in an art-wrought bed. 
 Cased in mortar, cramp'd with lead; 
 Of a living stock alone 
 Brother of the lifeless stone. 
 
 Else unprized, I have my worth 
 On the spot that gives me birth; 
 Nature's vast and varied field 
 Braver flowers than me will yield, 
 Bold in form and rich in hue, 
 Children of a purer dew; 
 Smiling lips and winning eyes 
 Meet for earthly paradise.  
 Choice are such,—and yet thou knowest 
 Highest he whose lot is lowest. 
 They, proud hearts, a home reject 
 Framed by human architect; 
 Humble-I can bear to dwell 
 Near the pale recluse's cell, 
 And I spread my crimson bloom, 
 Mingled with the cloister's gloom

 

John Henry Newman, 1801-1890

(excerpt of the poem)

 

Picture taken in the garden, May 2020.

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Schwertlilien 

Das sind die Blumen, die wie Kirchen sind. 
Ein Blick in sie hinein zwingt uns zu schweigen. 
Wie Weihrauch fromm berauschend strömt ihr Duft, 
Wenn wir uns zu der schönen Blüte neigen. 


Sie sind wie Schmetterlinge dünn und zart. 
Und wissen ihr Geheimnis doch zu hüten. 
Es hellen goldne Kerzen sanft den Pfad 
Ins Allerheiligste der Wunderblüten.
 

Francisca Stoecklin, 1894 - 1931

Schwertlilie. Iris, die griechische Göttin des Regenbogens. Sword lily, the Greek goddess of the rainbow. Lis de l'épée.  Giglio di spada. Bild:  Am Teich, Juni 2020.

The Wild iris - so lautet ein Gedichtband von Louise Glück und auch das Eingangsgedicht; sie erhielt hierfür 1993 den Pulitzer-Preis und 2020 für ihr Gesamtwerk zudem den Nobelpreis für Literatur. The Wild Iris ist ein wundersames lyrisches Gespräch zwischen Blumen, Gärtnern und Gott - ein sprachliches Meisterwerk. Die Gedichte sind nicht in der Public Domain, man findet einige von Ihnen im Internet. Der Gedichtband The Wild Iris liegt auch in deutscher Übersetzung von Ulrike Draesner vor.

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Iris

Light to the eye and Music to the ear,--

These are the builders of the bridge that springs

From earths's dim shore of half-remembered things

To reach the spirit's home, the heavenly sphere

Where nothing silent is and nothing dark.
 ... 

Blue as the sky, the choir of strings

Darkens in double-bass to ocean's hue,

Rises in violins to noon-tide's blue,

With threads of quivering light shot through and through.

Henry Jackson van Dyke, 1852-1933
Excerpt of the poem


Schwertlilie. Iris, die griechische Göttin des Regenbogens. Sword lily, the Greek goddess of the rainbow. Lis de l'épée.  Giglio di spada.

Bild:  Am Gartenteich, Juni 2023.

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 To A Butterfly

 STAY near me---do not take thy flight!
 A little longer stay in sight!
 Much converse do I find I thee,
 Historian of my infancy !
 Float near me; do not yet depart!
 Dead times revive in thee:
 Thou bring'st, gay creature as thou art!
 A solemn image to my heart,
 My father's family!
 
 Oh! pleasant, pleasant were the days,
 The time, when, in our childish plays,
 My sister Emmeline and I
 Together chased the butterfly!
 A very hunter did I rush
 Upon the prey:---with leaps and spring
 I followed on from brake to bush;
 But she, God love her, feared to brush
 The dust from off its wings.

 William Wordsworth, 1770-1850

Bild aus dem Garten. August 2021.

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 Der Schmetterling

 In des Papillons Gestalt
 Flattr' ich, nach den letzten Zügen,
 Zu den vielgeliebten Stellen,
 Zeugen himmlischer Vergnügen,
 Über Wiesen, an die Quellen,
 Um den Hügel, durch den Wald.
 
 Ich belausch ein zärtlich Paar;
 Von des schönen Mädchens Haupte
 Aus den Kränzen schau ich nieder;
 Alles, was der Tod mir raubte,
 Seh ich hier im Bilde wieder,
 Bin so glücklich, wie ich war.
 
 Sie umarmt ihn lächelnd stumm,
 Und sein Mund genießt der Stunde,
 Die ihm güt'ge Götter senden,
 Hüpft vom Busen zu dem Munde,
 Von dem Munde zu den Händen,
 Und ich hüpf um ihn herum.
 
 Und sie sieht mich Schmetterling.
 Zitternd vor des Freunds Verlangen
 Springt sie auf, da flieg ich ferne.
 »Liebster, komm, ihn einzufangen!
 Komm! ich hätt es gar zu gerne,
 Gern das kleine bunte Ding.« 

Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832


Bild eines Pfauenauges aus dem Garten im Juni 2020. 

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Der Schmetterling


Nein, schilt mir den lustigen Falter nicht,
Und setze mir Keiner den Schwärmer herunter;
Die Schwingen, die an gemeinem Licht
Verbrennen, — die Sonne färbt sie nur bunter.

Ludwig Seeger, 1810-1864


Bild eines Pfauenauges aus dem Garten im September 2021.

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CHERRY-RIPE, ripe, ripe, I cry,

Full and fair ones; come and buy.

If so be you ask me where
They do grow, I answer: There
Where my Julia's lips do smile;
There's the land, or cherry-isle,
Whose plantations fully show
All the year where cherries grow. 

 

Robert Herrick, 1591 -1674 


Bild aus dem Garten im Juni 2020. 

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Perfect Beauty

He tells of the perfect beauty.

O cloud-pale eyelids, dream-dimmed eyes,
The poets labouring all their days
To build a perfect beauty in rhyme
Are overthrown by a woman's gaze
And by the unlabouring brood of the skies:
And therefore my heart will bow, when dew
Is dropping sleep, until God burn time,
Before the unlabouring stars and you. 


William Butler Yeats, 1865-1930


Bild:  Seerosen am Niederrhein bei Kevelaer, Juni 2020.

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Will there really be a "Morning"?
Is there such a thing as "Day"?
Could I see it from the mountains
If I were as tall as they?

Has it feet like Water lilies?
Has it feathers like a Bird?
Is it brought from famous countries
Of which I have never heard?

Oh some Scholar! Oh some Sailor!
Oh some Wise Men from the skies!
Please to tell a little Pilgrim
Where the place called "Morning" lies! 

Emily Dickinson, 1830-1886


Bild:  See- und Teichrosen im Wassergraben von Schloss Well, Niederlande. Juli 2020.

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 The only Commandment I ever obeyed — 
'Consider the Lilies'.


Emily Dickinson, 1830-1886

 
Bild:  Lilien im Garten, Juni 2020.

john clare evening primrose pink rosa nachtkerze kunst niederau vera claus oberhausen garten blumen flowers poem gedicht art

The Evening Primrose
 
When once the sun sinks in the west,
And dew-drops pearl the evening’s breast;
Almost as pale as moonbeams are,
Or its companionable star,
The evening primrose opes anew
Its delicate blossoms to the dew
And hermit-like, shunning the light,
Wastes its fair bloom upon the night;
Who, blindfold to its fond caresses,
Knows not the beauty he possesses.
Thus it blooms on while night is by.
When day looks out with open eye,
‘Bashed at the gaze it cannot shun,
It faints and withers and is gone.

John Clare, 1792-1864

Bild: Rosa Nachtkerzen im Garten. Juni 2022.

cosmee cosmos zinnie sonnenhut  Flowers Albert Laighton kunst niederau vera claus garten garden nature poem gedicht god art

Flowers
 

 They are autographs of angels, penned
 In Nature's green-leaved book, in blended tints,
 Borrowed from rainbows and the sunset skies,
 And written everywhere - on plain and hill,
 In lonely dells, 'mid crowded haunts of men;
 On the broad prairies, where no eye save God's
 May read their silent, sacred mysteries.
 
 Thank God for flowers! they gladden human hearts;
 Seraphic breathings part their fragrant lips
 With whisperings of Heaven.

Albert Laighton, 1829-1887 


Bild:  Cosmeen, Zinnien und Sonnenhüte im sommerlichen Garten. Juli 2023.