Frühling

Der Frühling in Sprache und Lyrik - Einführung von Claus Niederau

  • Frühlingsbotschaft - Heinrich Heine 
  • Winter ade - Hoffmann von Fallersleben
  • Sô die bluomen - Walther von der Vogelweide
  • Spring - William Shakespeare 
  • Sonnet 98 - William Shakespeare 
  • To daffodils - Robert Herrick
  • Er ist's - Eduard Mörike
  • A light exists in spring - Emily Dickinson
  • Spring is the period - Emly Dickinson
  • A little madness - Emily Dickinson
  • The crown of thorns - Frederick G. Scott 
  • Dear march - Emily Dickinson
  • Aus dem Zauberberg - Thomas Mann 
  • Ver erat aeternum - Ovid
  • Vom Eise befreit - J. W. von Goethe
  • Kirschblüte bei Nacht - B. H. Brockes
  • An den Frühling - Friedrich Schiller
  • Traubenhyzinthe - B. H. Brockes
  • Mit einer Hyazinthe - J. W. von Goethe 
  • Der Frühling - Friedrich Hölderlin
  • Spring - Percy B. Shelley 
  • Herz, mein Herz - Heinrich Heine
  • Vorfrühling - Rainer Maria Rilke
  • Im Frühling - Georg Trakl
  • Frühling - Li Tai-pe, Klabund 
  • The crocuses - Frances E. Watkins
  • O sweet - E. E. Cummings
  • Crocuses - Frances E. Watkins 
  • The tulip - Emily Dickinson
  • Spring day - Amy Lowell
  • Pansy Song - John Joy Bell
  • The pink carnation - Henry Lawson
  • Temple Tree Path - Wang Wei
  • Spring rain - Sara Teasdale
  • Mir träumte - Mathilde von Bayern
  • Flieder - Karl Kraus
  • Rhododendron - Alfred Biehler 
  • The lilac - Emily Dickinson
  • A tulip garden - Amy Lowell
  • Spring River Flowers - Quain Qi
  • The woods are pink - Emily Dickinson
  • A Lady - Amy Lowell
  • To the thawing wind - Robert Frost
  • The waste land - T. S. Eliot
  • Cherry tree - James W. Riley
  • Im Frühling - Eduard Mörike
  • The Lily of the Valley - Paul L. Dunbar
  • Daffodils - William Wordsworth 
  • Maienregen - Else Laske-Schüler
  • Two voyagers - Emily Dickinson
  • Vorzug des Frühlings - Johann Klaj
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Der Frühling in Sprache und Lyrik

Die auf den Winter folgende Jahreszeit wird nach dem Grimmschen Wörterbuch der deutschen Sprache (http://dwb.uni-trier.de/de/das-woerterbuch/) erst seit dem 15. Jhd. Frühling genannt; zuvor waren die Bezeichnungen Lenz oder Glenz üblich. Im Althochdeutschen heißt es Lenzo (um 1000), im Mittelhochdeutschen Lenze (um 1200) und im Frühneuhochdeutschen schließlich Lenz (ab 15. Jh.). Glenz ist fast vollständig aus dem Sprachgebrauch verschwunden, Lenz gilt als „altmodisches Wort“, das am ehesten noch in der Sprache der Dichter verwendet wird. 

Astronomisch (www.wikipedia.de) beginnt der Frühling mit einer Tag-und-Nacht-Gleiche auf der Nordhalbkugel am 20./21. März und endet mit der Sommersonnenwende am 20./21. Juni. Meteorologisch beginnt der Frühlings Anfang März. In Mitteleuropa beginnt der Vorfrühling mit den Blüten der Schneeglöckchen, der Vollfrühling ist erst mit dem Blühen der Apfelbäume erreicht. 

Mit der Zunahme des Lichts werden im Frühjahr vermehrt Serotonin und andere Hormone ausgeschüttet, womit Allgemeinbefinden und Stimmung besser werden („Frühlingsgefühle“). 

In vielen Kulturen gibt es Frühlingsfeste und -riten. In der Kultur des Abendlandes widmen sich zahlreiche Gedichte (Petraca, Dante, Shakespeare, Schiller, Goethe, Heine u.a.), Gemälde (Primavera von Boticelli, Der Frühling von Giuseppe Arcimboldo) und Musikstücke (La primavera von Antonio Vivaldi, Le sacre du printemps von Igor Strawinski) dem Frühling. 

Auch in vielen japanischen  und chinesischen Gedichten werden Frühling und Baumblüte beschrieben. Gedichte sind in Japan schon lange beliebt. Im 10. Jhd. war die Lyrik dort so verbreitet, das der Kaiser ein „Ministerium für poetische Angelegenheiten“ schuf. Traditionell gibt es für das japanische lyrische Gedicht nur eine streng klassische Kurzform, die Tanka genannt wird. Daraus entwickelten sich ab dem 15. Jdt. die Haiku, die zur prominentesten Form japanischer Lyrik wurden. Die chinesische Dichtkunst reicht ebenfalls weit zurück. Der in der Qing-Dynastie (ab 1616) zusammengetragene Band „Alle Tang-Gedichte“ enthält über 48.900 Gedichte von mehr als 2.200 Dichtern. 

Aus der italienischen Lyrik stammen berühmte Frühlingsgedichte u.a. von Petrarca und Dante, , in England vor allem von William Shakespeare.

Die deutsche Lyrik hat sich seit dem Minnegesang auch mit dem Frühling beschäftigt. Berühmte Gedichte hierzu stammen von Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide (um 1200). Alle Dichter der Klassik wie Goethe und Schiller haben bis heute bekannte Frühlingsgedichte geschrieben, ebenso wie die nachfolgenden romantischen Lyriker (Heine, Trakl, Mörike und Eichendorff u.a.). Auch die klassische Moderne hat wunderbare Gedichte zum Frühling geschrieben (Bertolt Brecht, Rose Ausländer, Paul Celan, Ingeborg Bachmann, Peter Huchel, Tomas Tranströmer,  Karl Krolow, u.a.). Die zuletzt genannten, noch vom Copyright geschützten Gedichte kann ich hier leider nicht zeigen. Man findet Sie aber im Buchhandel oder im Internet. 

Für mich haben Frühlingsgedichte schon seit der Jugend eine besondere Bedeutung. Unsere Abituraufgabe in Deutsch bestand im Mai 1973 in einem Vergleich des Mörike-Gedichts "Er ist's" mit dem Gedicht "Frühjahr" von Karl Krolow. Ich kann mich an keine der Aufgaben in Mathematik, Physik und Latein erinnern, sehr wohl aber an die Deutschaufgabe, an die ich auch nach mehr als 50 Jahren - so merkwürdig das klingen mag - mit Freude zurückdenke.

Claus Niederau im Frühling 2024

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 Frühlingsbotschaft

Leise zieht durch mein Gemüt
Liebliches Geläute.
Klinge, kleines Frühlingslied,
Kling hinaus ins Weite.

Kling hinaus, bis an das Haus,
Wo die Blumen sprießen.
Wenn du eine Rose schaust,
Sag, ich lass sie grüßen.

Heinrich Heine, 1797-1856

Bild:  Heckenröslein im Garten. Mai 2020.

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   Was uns die liebe Lerche singt, 
 In unsern Herzen wiederklingt. 
 Der Winter sagt: Ade! Ade! 
 Und hin ist Kälte, Reif und Schnee
 Und Nebel hin und Dunkelheit 
 Willkommen, süße Frühlingszeit! 
 Winter, ade! 
 Frühling, juchhe! 

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1798 - 1874

Bild:  Hase auf dem Märzenacker bei Keylaer am Niederrhein im März 2021.

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Sô die bluomen ûz dem grase dringent,

 same si lachen gegen der spilden sunnen,
 in einem meien an dem morgen fruo,
 und diu kleinen vogellîn wol singent
 in ir besten wîse die si kunnen,
 waz wünne mac sich dâ gelîchen zuo?
 Ez ist wol halb ein himelrîche.
 Suln wir sprechen waz sich deme gelîche,
 sô sage ich waz mir dicke baz
 in mînen ougen hât getân,
 und tæte ouch noch, gesæhe ich daz.

Walter von der Vogelweide, 1170-1230


Wenn die Blumen aus dem Grase dringen,
Gleich als lachten sie zur hellen Sonne,
Des Morgens früh an einem Maientag,

 Wenn die kleinen Vöglein munter singen,
 Ihre schönsten Weisen, welche Wonne
 An solche Lust dann wohl noch reichen mag?
 Halb gleicht's wohl schon dem Himmelreiche;
 Soll ich nennen aber, was ihm gleiche,
 So weiß ich, was mein Auge je
 Noch mehr entzückt hat und auch stets
 entzücken wird, wenn ich es seh'.
 
 Nachgedichtet von Bruno Obermann 1886.

Bild:   Blumenwiese am Niederrhein bei Kevelaer im Mai 2021.

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Spring

When daisies pied and violets blue
    And lady-smocks all silver-white
 
 And cuckoo-buds of yellow hue
    Do paint the meadows with delight,
 

The cuckoo then, on every tree, 

Mocks married men; for thus sings he, 

                         Cuckoo; 

Cuckoo, cuckoo: Oh word of fear, 

Unpleasing to a married ear!
 

When shepherds pipe on oaten straws,
    And merry larks are plowmen’s clocks,
 

When turtles tread, and rooks, and daws, 

   And maidens bleach their summer smocks,
 

The cuckoo then, on every tree, 

Mocks married men; for thus sings he,
                         Cuckoo;
Cuckoo, cuckoo: Oh word of fear,
 Unpleasing to a married ear!

William Shakespeare, 1564-1616 (Love's Labours Lost)

Obstbaumblüte im Garten, Februar 2022

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Sonnet 98 

From you have I been absent in the spring,

When proud-pied April, dressed in all his trim,
Hath put a spirit of youth in everything,
That heavy Saturn laughed and leaped with him.

Yet nor the lays of birds, nor the sweet smell
Of different flowers in odour and in hue,
Could make me any summer’s story tell,
Or from their proud lap pluck them where they grew:

Nor did I wonder at the lily’s white,
Nor praise the deep vermilion in the rose;
They were but sweet, but figures of delight
Drawn after you, – you pattern of all those.

     Yet seem’d it winter still, and, you away,
     As with your shadow I with these did play.

William Shakespeare, 1564-1616

Bild:  Kirschblüte im Garten, März 2022.

To Daffodils 

 

Fair Daffodils, we weep to see 

You haste away so soon; 

As yet the early-rising sun 

Has not attain'd his noon. 

Stay, stay, 

Until the hasting day 

Has run 

But to the even-song; 

And, having pray'd together, we 

Will go with you along. 

 

We have short time to stay, as you, 

We have as short a spring; 

As quick a growth to meet decay, 

As you, or anything. 

We die 

As your hours do, and dry 

Away, 

Like to the summer's rain; 

Or as the pearls of morning's dew, 

Ne'er to be found again. 

 

Robert Herrick, 1591–1674

Bild:  Narzissen am Niederrhein, Februar
  2022.

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Er ist´s

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!
 
Eduard Mörike, 1828.

Bild: Narzissen im Garten, Februar 2021

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A light exists in spring
Not present on the year
At any other period.
When March is scarcely here
 
A color stands abroad
On solitary hills
That science cannot overtake,
But human naturefeels.
 
It waits upon the lawn;
It shows the furthest tree
Upon the furthest slope we know;
It almost speaks to me.

Then, as horizons step,
Or noons report away,
Without the formula of sound,
It passes, and we stay:

A quality of loss
Affecting our content,
As trade had suddenly encroached
Upon a sacrament. 

 

Emily Dickinson, 1830-1886 

Bild: Weidenkätzchen, Alstadener Ruhrufer, März 2022

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Spring is the Period
Express from God.
Among the other seasons
Himself abide,
 
But during March and April
None stir abroad
Without a cordial interview
With God.

 

Emily Dickinson,  1830 - 1886

Bild: Zilp-Zalp in Alstaden, Februar 2022

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A little Madness in the Spring
Is wholesome even for the King,
But God be with the Clown- 


Who ponders this tremendous scene-
This whole Experiment of Green- 
As if it were his own!

Emily Dickinson, 1830 - 1886 

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The Crown Of Thorns

With each new day, new cares will wait for thee, 
Trials and heart-aches; yet do thou not fear, 
But take them lovingly, and, weaving them 
Into a crown of thorns, wear and let be 
For ever on thy head, a diadem, 
More royal than gold, the dearest token here 
Of that sad voice that whispers, "Follow Me."

Frederick George Scott, 1861-1944

Bild:  Der Christus-Dorn blüht auf der Fensterbank stets zur Osterzeit, hier im Jahr 2018.

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Bauernhof bei Kevelaer am Niederrhein im März 2022.

Dear March—Come in— (1320)

Dear March—Come in—

How glad I am—
I hoped for you before—
Put down your Hat—
You must have walked—
How out of Breath you are—
Dear March, how are you, and the Rest—

Did you leave Nature well—
Oh March, Come right upstairs with me—
I have so much to tell—

I got your Letter, and the Birds—
The Maples never knew that you were coming—
I declare - how Red their Faces grew—
But March, forgive me—
And all those Hills you left for me to Hue—
There was no Purple suitable—
You took it all with you—

Who knocks? That April—
Lock the Door—
I will not be pursued—
He stayed away a Year to call
When I am occupied—
But trifles look so trivial 
As soon as you have come


That blame is just as dear as Praise
And Praise as mere as Blame—

Emily Dickinson, 1830-1886

Bild:  Bei Schloss Wissen im Februar 2022.

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Der Zauberberg. 
Sechstes Kapitel: Veränderungen. 
Thomas Mann. 1939. 

… der Schnee schmolz gewaltig, er wurde eisfarben, porös und löcherig, sackte zusammen, wo er zu Hauf lag, schien sich in die Erde zu verkriechen. Ein Sickern, Sintern und Rieseln war überall, ein Tropfen und Stürzen im Walde, und die geschaufelten Schranken an den Straßen, die bleichen Teppiche der Wiesen verschwanden, wenn auch die Massen allzu reichlich gelegen hatten, um rasch zu verschwinden. Da gab es wundersame Erscheinungen, Frühlingsüberraschungen auf Dienstwegen im Tal, märchenhaft, nie gesehen. Ein Wiesengebreite lag da, - im Hintergrunde ragte der Schwarzhornkegel, noch ganz im Schnee, mit dem ebenfalls noch tief verschneiten Scalettagletscher rechts in der Nähe, und auch das Gelände mit seinem Heuschober irgendwo lag noch im Schnee, wenn auch die Decke schon dünn und schütter war, von rauhen und dunklen Bodenerhebungen da und dort unterbrochen, von trockenem Grase überall durchstochen. Das war jedoch, wie die Wanderer fanden, eine unregelmäßige Art von Verschneitheit, die diese Wiese da aufwies… Sie sahen es näher an, sie beugten sich staunend darüber, - das war kein Schnee, es waren Blumen, Schneeblumen, Blumenschnee, kurzstielige kleine Kelche, weiß und weißbläulich, es war Krokus, bei ihrer Ehre, millionenweise dem sickernden Wiesengrunde entsprossen, so dicht, daß man ihn gut und gern hatte für Schnee halten können, in den er weiterhin denn auch ununterscheidbar überging. Sie lachten über ihren Irrtum, lachten vor Freude über das Wunder vor ihren Augen, diese lieblich zaghafte und nachahmende Anpassung des zuerst sich wieder hervorgetrauenden organischen Lebens… 

Aber der Blumenschnee wurde mit wirklichem zugedeckt, und auch den blauen Soldanellen, den gelben und roten Primeln erging es so, die ihm folgten. Ja, wie schwer der Frühling es hatte, sich durchzuringen und den hiesigen Winter zu überwältigen! Zehnmal ward er zurückgeworfen, bevor er Fuß fassen konnte hier oben, - bis zum nächsten Einbruch des Winters, mit weißem Gestöber, Eiswind und Heizungsbetrieb. Anfang Mai (denn nun ist es gar schon Mai geworden, während wir von den Schneeblumen erzählten)… 

Bild: Schneeglöckchen bei Schloss Wissen, Februar 2022.

ver erat aeternum, placidique tepentibus auris
mulcebant zephyri natos sine semine flores;
mox etiam fruges tellus inarata ferebat, nec renovatus
ager gravidis canebat aristis;
flumina iam lactis, iam flumina nectaris ibant,
flavaque de viridi stillabant ilice mella.

 
Ovid, "Metamorphosen".  1 n. Chr.


Bild:  Am Kasteel Well, Niederlande, März 2022

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Vom Eise befreit sind Strom und Bäche

Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein! 


Johann Wolfgang von Goethe, Faust I

Bild:  Buchfink bei Schloss Wissen, April 2021 

Kirschblüte bei der Nacht

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Ich sahe mit betrachtendem Gemüte
 Jüngst einen Kirschbaum, welcher blühte,
 In kühler Nacht beim Mondenschein;
 Ich glaubt', es könne nichts von größrer Weiße sein.
 Es schien, ob wär ein Schnee gefallen.
 Ein jeder, auch der kleinste Ast
 Trug gleichsam eine rechte Last
 Von zierlich-weißen runden Ballen.
 Es ist kein Schwan so weiß, da nämlich jedes Blatt,
 Indem daselbst des Mondes sanftes Licht
 Selbst durch die zarten Blätter bricht,
 Sogar den Schatten weiß und sonder Schwärze hat.
 Unmöglich, dacht ich, kann auf Erden
 Was Weißers aufgefunden werden.

Barthold Hinrich Brockes, 1680-1747.
 1. Strophe des Gedichts.

Bild: Japanische Kirschblüte in einem Vorgarten in Arcen im März 2022

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An den Frühling 

 

Willkommen, schöner Jüngling! 

Du Wonne der Natur! 

Mit deinem Blumenkörbchen 

Willkommen auf der Flur! 

 

Ei!ei! da bist ja wieder!
 Und bist so lieb und schön! 

Und freun wir uns so herzlich, 

Entgegen dir zu gehn. 

 

Denkst auch noch an mein Mädchen? 

Ei, Lieber, denke doch! 

Dort liebte mich das Mädchen, 

Und 's Mädchen liebt mich noch! 

 

Fürs Mädchen manches Blümchen 

Erbat ich mir von dir – 

Ich komm' und bitte wieder, 

Und du? – du gibst es mir? 

 

Friedrich Schiller, 1759-1805 

Bild: Kamelie aus dem Garten im März 2022

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Die Traubenhyazinthe

Angenehmes Frühlingskindchen,
 Kleines Traubenhyazinthchen,
 Deiner Farb und Bildung Zier
 Zeiget mit Verwundrung mir
 Von der bildenden Natur
 Eine neue Schönheitsspur.
 An des Stengels blauer Spitzen
 Sieht man, wenn man billig sieht,
 Deiner sonderbaren Blüt
 Kleine blaue Kugeln sitzen,
 Dran, so lange sich ihr Blatt
 Noch nicht aufgeschlossen hat,
 Wie ein Purpurstern sie schmücket,
 Man nicht sonder Lust erblicket.
 Aber wie von ungefähr
 Meine Blicke hin und her
 Auf die offnen Blumen liefen,
 Konnt ich in den blauen Tiefen
 Wie aus himmelblauen Höhen
 Silberweiße Sternchen sehen,
 Die in einer blauen Nacht,
 So sie rings bedeckt, im Dunkeln
 Mit dadurch erhöhter Pracht
 Noch um desto heller funkeln.
 Ihr so zierliches Gepränge,
 Ihre Nettigkeit und Menge,
 Die die blauen Tiefen füllt,
 Schiene mir des Himmels Bild,
 Welches meine Seele rührte
 Und durch dieser Sternen Schein,
 Die so zierlich, rein und klein,
 Mich zum Herrn der Sterne führte,
 Dessen unumschränkte Macht
 Aller Himmel tiefe Meere,
 Aller Welt- und Sonnen Heere
 Durch ein Wort hervorgebracht;
 Dem es ja so leicht, die Pracht
 In den himmlischen Gefilden
 Als die Sternchen hier zu bilden.
 Durch dein sternenförmig Wesen
 Gibst du mir, beliebte Blume,
 Ein' Erinnerung zu lesen,
 Daß wir seiner nicht vergessen,
 Sondern in den schönen Werken
 Seine Gegenwart bemerken,
 Seine weise Macht ermessen
 Und sie wie in jenen Höhen
 So auf Erden auch zu sehen.

Barthold Hinrich Brockes, 1680-1747

Bild:  Blaue Traubenhyazinthen im Garten, März 2022.

Mit einer Hyazinthe

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Aus dem Zaubertal dortnieden,

 Das der Regen still umtrübt,
 Aus dem Taumel der Gewässer
 Sendet Blume, Gruß und Frieden,
 Der dich immer treu und besser,
 Als du glauben magst, geliebt.
 
 Diese Blume, die ich pflücke,
 Neben mir vom Tau genährt,
 Läßt die Mutter still zurücke,
 Die sich in sich selbst vermehrt.
 Lang entblättert und verborgen,
 Mit den Kindern an der Brust,
 Wird am neuen Frühlingsmorgen
 Vielfach sie des Gärtners Lust. 

 

Johann Wolfgang von Goethe, 1778 

Bild:  Auf der Fensterbank im März 2022

Der Frühling

Die Sonne glänzt, es blühen die Gefilde, 
Die Tage kommen blütenreich und milde, 
Der Abend blüht hinzu, und helle Tage gehen 
Vom Himmel abwärts, wo die Tag entstehen. 

Das Jahr erscheint mit seinen Zeiten 
Wie eine Pracht, wo sich Feste verbreiten, 
Der Menschen Tätigkeit beginnt mit neuem Ziele, 
So sind die Zeichen in der Welt, der Wunder viele.
 

Friedrich Hölderlin, 1770-1843

Bild: Weißer Krokus im Garten, März 2021.

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And the Spring arose on the garden fair,
Like the Spirit of Love felt everywhere;
And each flower and herb on Earth's dark breast
Rose from the dreams of its wintry rest.

Percy Bysshe Shelley, 1992-1822

Bild:  Hase bei De Haan, Belgien, 2021

Herz, mein Herz, sei nicht beklommen
und ertrage dein Geschick.
Neuer Frühling gibt zurück,
was der Winter dir genommen.

Und wie viel ist dir geblieben,
und wie schön ist doch die Welt!
Und mein Herz, was dir gefällt,
alles, alles darfst du lieben!

Heinrich Heine , 1797-1856

Bild: Vergissmeinnicht bei Keylaer, April 2021.

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Vorfrühling
 
Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
An der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,
Greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigen’s.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum. Vorfrühling
 
Rainer Maria Rilke, 1875 --1926


Bild: Wald bei Schloss Wissen, 2021

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 Im Frühling 

 

Leise sank von dunklen Schritten der Schnee,
Im Schatten des Baums
Heben die rosigen Lider Liebende. 

 

Immer folgt den dunklen Rufen der Schiffer
Stern und Nacht;
Und die Ruder schlagen leise im Takt. 

 

Balde an verfallener Mauer blühen
Die Veilchen, 
Ergrünt so stille die Schläfe des Einsamen. 

 

Georg Trakl, 1887-1914

Bild: Am Niederrhein März 2022

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 Im Frühling

Wenn Leben innrer Träume Widerschein -
Wozu sich an die blasse Stirne schlagen?
Berauschen will ich mich an allen Tagen
Und schlafe trunken vor den Säulen ein.

Die Wimpern heb ich auf - und bin erwacht.
Ein Vogel singt in blühenden Geweben.
Ich frage ihn, in welcher Zeit wir leben.
Er sagt: da Frühling Vögel singen macht.

Erschüttert bin ich: wenn ich weinen geh.
Ich gieß den Becher voll. Die Lippe trinkt.
Ich singe laut, bis Mond im Blauen blinkt,
Vergesse Mond und Lied und Li-tai-pe.

Li Tai-pe um 700, übersetzt von Klabund 1915

Bild: Heckenbraunelle bei Weeze im März 2022

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 O sweet spontaneous earth
how often have the doting fingers of
prurient philosophers pinched and poked thee,
has the naughty thumb of science prodded thy beauty
 
How often have religions taken
thee upon their scraggy knees
squeezing and buffeting thee
that thou mightest conceive Gods
 
But true to the incomparable couch of death
thy rhythmic lover
thou answerest them
only with spring
 
E. E. Cummings from Tulips & Chimneys. 1923.

Bild:  Magnolie vor dem Haus im März 2022

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The Crocuses

They heard the South wind sighing
A murmur of the rain;
And they knew that Earth was longing
To see them all again.

While the snow-drops still were sleeping
Beneath the silent sod;
They felt their new life pulsing
Within the dark, cold clod.

Not a daffodil nor daisy
Had dared to raise its head;
Not a fairhaired dandelion
Peeped timid from its bed;

Though a tremor of the winter
Did shivering through them run;
Yet they lifted up their foreheads
To greet the vernal sun.

And the sunbeams gave them welcome.
As did the morning air
And scattered o'er their simple robes
Rich tints of beauty rare.

Soon a host of lovely flowers
From vales and woodland burst;
But in all that fair procession
The crocuses were first.

First to weave for Earth a chaplet
To crown her dear old head;
And to beautify the pathway
Where winter still did tread.

And their loved and white haired mother
Smiled sweetly 'neath the touch,
When she knew her faithful children
Were loving her so much.

Frances Ellen Watkins, 1825-1911


Bild:  Krokusse im Garten. Im März 2022.

The Tulip

She slept beneath a tree
 Remembered but by me.
 I touched her cradle mute;
 She recognized the foot,
 Put on her carmine suit,--
 And see!

Emily Dickinson, 1830-1886

Bild:  
Tulpe im Garten, April 2022.

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Spring Day 

        Bath
   The day is fresh-washed and fair, and there is a smell of tulips and narcissus in the air.
   The sunshine pours in at the bath-room window and bores through the water in the bath-tub in lathes and planes of greenish-white. It cleaves the water into flaws like a jewel, and cracks it to bright light.
   Little spots of sunshine lie on the surface of the water and dance, dance, and their reflections wobble deliciously over the ceiling; a stir of my finger sets them whirring, reeling. I move a foot, and the planes of light in the water jar. I lie back and laugh, and let the green-white water, the sun-flawed beryl water, flow over me. The day is almost too bright to bear, the green water covers me from the too bright day. I will lie here awhile and play with the water and the sun spots.
   The sky is blue and high. A crow flaps by the window, and there is a whiff of tulips and narcissus in the air.

      Breakfast Table
   In the fresh-washed sunlight, the breakfast table is decked and white. It offers itself in flat surrender, tendering tastes, and smells, and colours, and metals, and grains, and the white cloth falls over its side, draped and wide. Wheels of white glitter in the silver coffee-pot, hot and spinning like catherine-wheels, they whirl, and twirl—and my eyes begin to smart, the little white, dazzling wheels prick them like darts. Placid and peaceful, the rolls of bread spread themselves in the sun to bask. A stack of butter-pats, pyramidal, shout orange through the white, scream, flutter, call: “Yellow! Yellow! Yellow!” Coffee steam rises in a stream, clouds the silver tea-service with mist, and twists up into the sunlight, revolved, involuted, suspiring higher and higher, fluting in a thin spiral up the high blue sky. A crow flies by and croaks at the coffee steam. The day is new and fair with good smells in the air.

      Walk
  Over the street the white clouds meet, and sheer away without touching.
   On the sidewalks, boys are playing marbles. Glass marbles, with amber and blue hearts, roll together and part with a sweet clashing noise. The boys strike them with black and red striped agates. The glass marbles spit crimson when they are hit, and slip into the gutters under rushing brown water. I smell tulips and narcissus in the air, but there are no flowers anywhere, only white dust whipping up the street, and a girl with a gay Spring hat and blowing skirts. The dust and the wind flirt at her ankles and her neat, high-heeled patent leather shoes. Tap, tap, the little heels pat the pavement, and the wind rustles among the flowers on her hat.
   A water-cart crawls slowly on the other side of the way. It is green and gay with new paint, and rumbles contentedly, sprinkling clear water over the white dust. Clear zigzagging water, which smells of tulips and narcissus.
   The thickening branches make a pink grisaille against the blue sky.
   Whoop! The clouds go dashing at each other and sheer away just in time. Whoop! And a man’s hat careers down the street in front of the white dust, leaps into the branches of a tree, veers away and trundles ahead of the wind, jarring the sunlight into spokes of rose-colour and green.
   A motor-car cuts a swathe through the bright air, sharp-beaked, irresistible, shouting to the wind to make way. A glare of dust and sunshine tosses together behind it, and settles down. The sky is quiet and high, and the morning is fair with fresh-washed air.

      Midday and Afternoon 
   Swirl of crowded streets. Shock and recoil of traffic. The stock-still brick façade of an old church, against which the waves of people lurch and withdraw. Flare of sunshine down side-streets. Eddies of light in the windows of chemists’ shops, with their blue, gold, purple jars, darting colours far into the crowd. Loud bangs and tremors, murmurings out of high windows, whirring of machine belts, blurring of horses and motors. A quick spin and shudder of brakes on an electric car, and the jar of a church-bell knocking against the metal blue of the sky. I am a piece of the town, a bit of blown dust, thrust along with the crowd. Proud to feel the pavement under me, reeling with feet. Feet tripping, skipping, lagging, dragging, plodding doggedly, or springing up and advancing on firm elastic insteps. A boy is selling papers, I smell them clean and new from the press. They are fresh like the air, and pungent as tulips and narcissus.
   The blue sky pales to lemon, and great tongues of gold blind the shop-windows, putting out their contents in a flood of flame.

      Night and Sleep  
   The day takes her ease in slippered yellow. Electric signs gleam out along the shop fronts, following each other. They grow, and grow, and blow into patterns of fire-flowers as the sky fades. Trades scream in spots of light at the unruffled night. Twinkle, jab, snap, that means a new play; and over the way: plop, drop, quiver, is the sidelong sliver of a watchmaker’s sign with its length on another street. A gigantic mug of beer effervesces to the atmosphere over a tall building, but the sky is high and has her own stars, why should she heed ours?
   I leave the city with speed. Wheels whirl to take me back to my trees and my quietness. The breeze which blows with me is fresh-washed and clean, it has come but recently from the high sky. There are no flowers in bloom yet, but the earth of my garden smells of tulips and narcissus.
   My room is tranquil and friendly. Out of the window I can see the distant city, a band of twinkling gems, little flower-heads with no stems. I cannot see the beer-glass, nor the letters of the restaurants and shops I passed, now the signs blur and all together make the city, glowing on a night of fine weather, like a garden stirring and blowing for the Spring.
   The night is fresh-washed and fair and there is a whiff of flowers in the air.
   Wrap me close, sheets of lavender. Pour your blue and purple dreams into my ears. The breeze whispers at the shutters and mutters queer tales of old days, and cobbled streets, and youths leaping their horses down marble stairways. Pale blue lavender, you are the colour of the sky when it is fresh-washed and fair . . . I smell the stars . . . they are like tulips and narcissus . . . I smell them in the air. 


Amy Lowell. Men Women and Ghosts 1916
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Bild:  Narzissen im Garten, Ostern 2022

Pansy Song

 

Pansies, pansies, yellow and blue,
 I have a garden when I have you.
 
 Oh, pansies yellow, you're full of the sun,
       However the weather be dreary.
 Oh, pansies blue, you're a solace when one
       Is sick of the summer and weary.
 
 There's many a bloom I must always crave,
       There are blooms I could steal from my neighbours,
 Yet yours are the lives that I'd struggle to save,
       Did flow'rs all depend on my labours.
 
 Oh, wealthy the man with his wee bit o' ground,
       Oh, happy and fortunate fellow
 Who owns, when the May with her magic comes round,
       Some clusters of blue and of yellow.
 
 You can't come too early, you can't stay too late,
       You can't be a blossom too many,
 My pansies so brilliant, my pansies sedate —
       To think you were bought for a penny!
 
 Oh, I have a garden when I have you,
 Pansies, pansies, yellow and blue!

John Joy Bell, 1871-1934. Poem from 1910. 


Bild:  Stiefmütterchen in einem Vorgarten in Kevelaer 2021. Pansies in a front garrden.

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Temple Tree Path

Narrow path sunless temple locust tree
Deep dark much green moss
Should gate except meet sweep
In case have hill monk come 

A narrow, sunless path to the temple tree,
Deep and dark; abundant green moss.
Wait by the gate when finished sweeping the yard,
In case a monk should come down from the hill.

Wang Wei, 701-761 CE

The locust tree – wonderful and strange. Robinia pseudoacacia. Robinie. Faux acacia. There is a famous locust tree poem by William Carlos Williams titled “The Locust Tree in Flower” which is as yet not in public domain. You need to check your library or the internet.

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Bild:  Robinie bei Schloss Wissen in Weeze am Niederrhein. Mai 2020.

Spring Rain

I thought I had forgotten,
But it all came back again
To-night with the first spring thunder
In a rush of rain.

I remembered a darkened doorway
Where we stood while the storm swept by,
Thunder gripping the earth
And lightning scrawled on the sky.
 
The passing motor busses swayed,
For the street was a river of rain,
Lashed into little golden waves
In the lamp light's stain.
 
With the wild spring rain and thunder
My heart was wild and gay;
Your eyes said more to me that night
Than your lips would ever say. . . .
 
I thought I had forgotten,
But it all came back again
To-night with the first spring thunder
In a rush of rain.

Sara Teasdale, 1883 - 1933 

Bild:  Kirschblüte im Garten im März 2022.

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Mir träumte von duftenden Blüten,
die mir der Frühling gebracht,-
mir träumte von sonnigem Lande,
das mich gesund gemacht.
 
Und als ich am Morgen erwachte,
brannte mein Fieber heiß,
und zierlich blühte am Fenster
in hundert Blumen das Eis.


Mathilde von Bayern, 1877-1906
Tochter von König Ludwig III. von Bayern


Bild:  Weißdornblüten im Garten, April 2023. 

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 Flieder

Nun weiß ich noch, 's ist Frühling wieder.
Ich sah es nicht vor so viel Nacht
und lange hatt' ich's nicht gedacht.
Nun merk' ich erst, schon blüht der Flieder.

Wie fand ich das Geheimnis wieder?
Man hatte mich darum gebracht.
Was hat die Welt aus uns gemacht!
Ich dreh' mich um, da blüht der Flieder.

Und danke Gott, er schuf mich wieder,
indem er wiederschuf die Pracht.
Sie anzuschauen aufgewacht,
so bleib' ich stehn. Noch blüht der Flieder.

Karl Kraus, 1919

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Bild:  Flieder im Garten, April 2018.

The Lilac is an ancient shrub

But ancienter than that
The Firmamental Lilac
Upon the Hill tonight – 


The Sun subsiding on his Course
Bequeaths this final Plant
To Contemplation -- not to Touch --
The Flower of Occident. 


Of one Corolla is the West –
The Calyx is the Earth --
The Capsules burnished Seeds the Stars
The Scientist of Faith 


His research has but just begun –
Above his synthesis
The Flora unimpeachable
To Time's Analysis – 


"Eye hath not seen" may possibly
Be current with the Blind
But let not Revelation
By theses be detained -- 

 

Emily Dickinson, 1830-1886


Bild: Fieder im Garten, Apirl 2022.

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Rhododendron

Vom Gebirg herab in Stufen
wächst ein Park mit Busch und Bäumen,
Vögel fröhlich in ihm rufen,
Rhododendren in ihm träumen.
 
Sonne Licht und Schatten spendet,
riesig ragen Eich und Buche,
wo es sich zur Lichtung wendet,
schimmern lila rote Tuche.
 
Näher tretend aus der Feuchte
schau aus wuchernd breiten Zweigen
mit dem magischen Geleuchte
Blüt um Blüte um dich steigen.
 
Kelche öffnen ihre Lippen
mit Aromen, veilchensüßen,
aus des strengen Blattwerks Rippen
frohen Sommer zu begrüßen.
 
Und wie purpurrote Flammen
dringt es ein in die Pupille,
schlägt es überm Strauch zusammen:
Welches Leben in der Stille! 

Alfred Biehler, 1863-1902 


Bild.  Rhododendron im Park von Schloss Wissen in Weeze am Niederrhein, Juni 2023.

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 A tulip garden

Guarded within the old red wall's embrace,
Marshalled like soldiers in gay company,
The tulips stand arrayed.  Here infantry
Wheels out into the sunlight.  What bold grace
Sets off their tunics, white with crimson lace!
Here are platoons of gold-frocked cavalry,
With scarlet sabres tossing in the eye
Of purple batteries, every gun in place.
Forward they come, with flaunting colours spread,
With torches burning, stepping out in time
To some quick, unheard march.  Our ears are dead,
We cannot catch the tune.  In pantomime
Parades that army.  With our utmost powers
We hear the wind stream through a bed of flowers. 


Amy Lowell, 1874-1925

Bild.  Rote Tulpe im Garten, April 2023.

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Spring River Flowers Moon Night
 

The river is smooth and calm this evening, 

The peony flowers bloom. 

The moon floats on the current. 

The tide carries the stars.
 

Qian Qi, 710-782 

 

Picture from the garden in May 2020. 

Peonies, Pfingstrosen, paeonia, pivoines, 牡丹, 芍药

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Frequently the woods are pink—

Frequently are brown.
Frequently the hills undress
Behind my native town.
Oft a head is crested
I was wont to see—
And as oft a cranny
Where it used to be—
And the Earth— they tell me—
On its Axis turned!
Wonderful Rotation!
By but twelve performed!


Emily Dickinson, 1830-1886


Bild aus dem Vorgarten. Mai 2020.

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A Lady


You are beautiful and faded,
Like an old opera tune
Played upon a harpsichord;
Or like the sun-flooded silks

Of an eighteenth-century boudoir. In your eyes
Smoulder the fallen roses of outlived minutes,
And the perfume of your soul
Is vague and suffusing,

With the pungence of sealed spice-jars.
Your half-tones delight me,
And I grow mad with gazing
At your blent colors.


My vigor is a new-minted penny,
Which I cast at your feet.
Gather it up from the dust
That its sparkle may amuse you.


Amy Lowell, 1874-1925

 

Bienenweide, Phacelia, Scorpion weed, Heliotrope, Bienenfreund, Büschelschön, Büschelblume. Picture taken near Kloster Graefenthal, Niederrhein, May 2020.

To the Thawing Wind

Come with rain, O loud Southwester!
Bring the singer, bring the nester;
Give the buried flower a dream;
Make the settled snowbank steam;
Find the brown beneath the white;
But whate’er you do tonight,
Bathe my window, make it flow,
Melt it as the ice will go;
Melt the glass and leave the sticks
Like a hermit’s crucifix;
Burst into my narrow stall;
Swing the picture on the wall;
Run the rattling pages o’er;
Scatter poems on the floor;
Turn the poet out of door.

Robert Frost, 1874 - 1963

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Bild: Spargelfelder bei Walbeck, April 2018.

 The Waste Land

  April is the cruellest month, breeding
Lilacs out of the dead land, mixing
Memory and desire, stirring
Dull roots with spring rain.
Winter kept us warm, covering
Earth in forgetful snow, feeding
A little life with dried tubers…

T. S. Eliot, 1922 

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Bild: Obstbaumbüte am Niederrhein, April 2020.

There was a cherry-tree.
 Its bloomy snows
 Cool even now the fevered sight that knows
 No more its airy visions of pure joy --
 As when you were a boy.

There was a cherry-tree.
 The Bluejay sat
 His blue against its white -- O blue as jet
 He seemed there then!-- But now -- Whoever knew
 He was so pale a blue!

There was a cherry-tree -- our child-eyes saw
 The miracle:-- Its pure white snows did thaw
 Into a crimson fruitage, far too sweet
 But for a boy to eat.
 
 There was a cherry-tree, give thanks and joy!--
 There was a bloom of snow -- There was a boy --
 There was a bluejay of the realest blue --
 And fruit for both of you.

James Whitcomb Riley, 1849-1916

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 Im Frühling

Hier lieg ich auf dem Frühlingshügel
Die Wolke wird mein Flügel,
Ein Vogel fliegt mir voraus.
Ach, sag mir, alleinzige Liebe,
Wo du bleibst, dass ich bei dir bliebe!
Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.

Mörike, Eduard Mörike, 1804-1875.
Auszug aus dem Gedicht.

Bild:  Im heimischen Garten. April 2019.

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The Lily Of The Valley

Sweetest of the flowers a–blooming
In the fragrant vernal days
Is the Lily of the Valley
With its soft, retiring ways.


Well, you chose this humble blossom
As the nurse’s emblem flower,
Who grows more like her ideal
Every day and every hour.


Like the Lily of the Valley
In her honesty and worth,
Ah, she blooms in truth and virtue
In the quiet nooks of earth.


Tho’ she stands erect in honor
When the heart of mankind bleeds,
Still she hides her own deserving
In the beauty of her deeds.


In the silence of the darkness
Where no eye may see and know,
There her footsteps shod with mercy,
And fleet kindness come and go.


Not amid the sounds of plaudits,
Nor before the garish day,
Does she shed her soul’s sweet perfume,
Does she take her gentle way.


But alike her ideal flower,
With its honey–laden breath,
Still her heart blooms forth its beauty
In the valley shades of death.


Paul Laurence Dunbar, 1872-1906 


Bild:  Maiglöcken im Garten, Mai 2020. 


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 Daffodils

I wandered lonely as a cloud
 That floats on high o’er vales and hills,
 When all at once I saw a crowd,
 A host, of golden daffodils;
 Beside the lake, beneath the trees,
 Fluttering and dancing in the breeze.
 
Continuous as the stars that shine
 And twinkle on the milky way,
 They stretched in never-ending line
 Along the margin of a bay:
 Ten thousand saw I at a glance,
 Tossing their heads in sprightly dance.
 
The waves beside them danced; but they
 Out-did the sparkling waves in glee:
 A poet could not but be gay,
 In such a jocund company:
 I gazed–and gazed–but little thought
 What wealth the show to me had brought:
 
For oft, when on my couch I lie
 In vacant or in pensive mood,
 They flash upon that inward eye
 Which is the bliss of solitude;
 And then my heart with pleasure fills,
 And dances with the daffodils.
 
William Wordsworth, 1770-1850

Bild:  Aus dem Garten im März 2023.

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 Maienregen 

 

Du hast deine warme Seele
 Um mein verwittertes Herz geschlungen,
 Und all seine dunklen Töne
 Sind wie ferne Donner verklungen. 

 

Aber es kann nicht mehr jauchzen 

Mit seiner wilden Wunde,
 Und wunschlos in deinem Arme
 Liegt mein Mund auf deinem Munde. 

 

Und ich höre dich leise weinen,
 Und es ist – die Nacht bewegt sich kaum –
 Als fiele ein Maienregen
 Auf meinen greisen Traum. 

 

Else Lasker-Schüler, 1869-1945 

Bild: Kirschblüte im Garten, April 2021.

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Two voyagers

Two butterflies went out at noon

And waltzed above a stream,
Then stepped straight through the firmament
And rested on a beam; 


And then together bore away
Upon a shining sea, —
Though never yet, in any port,
Their coming mentioned be. 


If spoken by the distant bird,
If met in ether sea
By frigate or by merchantman,
Report was not to me. 


Emily Dickinson, 1830-1886

Bild:  Aus dem Garten im März 2023

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Vorzug des Frühlings 

 

Im Lenzen, da glänzen die blümigen Auen
 Die Auen, die bauen die perlenen Tauen,
 Die Nymphen in Sümpfen ihr Antlitz beschauen.
           Es schmilzet der Schnee,
           Man segelt zur See,
           Bricht güldenen Klee. 

Die Erlen den Schmerlen den Schatten versüßen,
 Sie streichen, sie laichen in blaulichten Flüssen,
 Die Angel aus Mangel und Reißen beküssen,
           Die Lerche, die singt,
           Das Haberrohr klingt,
           Die Schäferin springt. 

Die Hirten in Hürden begehen den Maien.
 Man zieret und führet den singenden Reien,
 die Reien die schreien um neues Gedeihen.
           Die Herde, die schellt –
           der Rüde, der bellt –
           das Euter, das schwellt. 

 

Johann Klaj,  um1650

Ein entsprechendes Wintergedicht von Johann Klaj mit dem Titel "Vorzug des Winters" finden Sie im Kapitel "Winter- und Weihnachtsgedichte". Beide Barock-Gedichte nutzen als Metrum den Amphibrachys und enthalten bunte Lautmalerei, viele Alliterationen und ungewöhnliche Metaphern. 

Bild: Obstblüte im Garten, März 2020.