- Suchst Du den Frieden? - unbekannter Autor
- Des Krieges Buchstaben - Friedrich von Logau
- Der Krieg - Georg Heym
- Peace is a fiction - Emily Dickinson
- Bewaffneter Frieden - Wilhelm Busch
- Frieden - Klabund
- Peace - William Butler Yeats
- Soft rain - Sara Teasdale
- The rose of peace - William Butler Yeats
- Peace - Gerard Manley Hopkins
- Friede - Adolf Ey
- Peace - Emily Dickson
- Freude, schöner Götterfunken - Friedrich von Schiller
- Er lasse seinen Frieden ruhn - Paul Gerhardt
- No man is an island - John Donne
Suchst du den Frieden?
Die Erde hat ihn nicht;
Blumen hat sie, die vergehen,
Düfte hat sie, die verwehen,
Nächte hat sie ohne Licht.
Suchst du den Frieden?
Die Erde hat ihn nicht.
Unbekannter Autor
Morgenblatt für gebildete Stände. 8.1.1815
Bild: An der Maas, Februar 2022.
Des Krieges Buchstaben
Kummer, der das Mark verzehret,
Raub, der Hab und Gut verheeret,
Jammer, der den Sinn verkehret,
Elend, das den Leib beschweret
Grausamkeit, die Unrecht lehret,
Sind die Frucht, die Krieg gewähret.
Friedrich von Logau, 1604-1655
Bild: Hochspannung im Gewitter. Oberhausen, Februar 2022.
Der Krieg
Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,
Aufgestanden unten aus Gewölben tief.
In der Dämmrung steht er, groß und unerkannt,
Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.
In den Abendlärm der Städte fällt es weit,
Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit,
Und der Märkte runder Wirbel stockt zu Eis.
Es wird still. Sie sehn sich um. Und keiner weiß.
In den Gassen faßt es ihre Schulter leicht.
Eine Frage. Keine Antwort. Ein Gesicht erbleicht.
In der Ferne ein Geläute dünn
Und die Bärte zittern um ihr spitzes Kinn.
Auf den Bergen hebt er schon zu tanzen an
Und er schreit: Ihr Krieger alle, auf und an.
Und es schallet, wenn das schwarze Haupt er schwenkt,
Drum von tausend Schädeln laute Kette hängt.
Einem Turm gleich tritt er aus die letzte Glut,
Wo der Tag flieht, sind die Ströme schon voll Blut.
Zahllos sind die Leichen schon im Schilf gestreckt,
Von des Todes starken Vögeln weiß bedeckt.
Über runder Mauern blauem Flammenschwall
Steht er, über schwarzer Gassen Waffenschall.
Über Toren, wo die Wächter liegen quer,
Über Brücken, die von Bergen Toter schwer.
In die Nacht er jagt das Feuer querfeldein
Einen roten Hund mit wilder Mäuler Schrein.
Aus dem Dunkel springt der Nächte schwarze Welt,
Von Vulkanen furchtbar ist ihr Rand erhellt.
Und mit tausend roten Zipfelmützen weit
Sind die finstren Ebnen flackend überstreut,
Und was unten auf den Straßen wimmelt hin und her,
Fegt er in die Feuerhaufen, daß die Flamme brenne mehr.
Und die Flammen fressen brennend Wald um Wald,
Gelbe Fledermäuse zackig in das Laub gekrallt.
Seine Stange haut er wie ein Köhlerknecht
In die Bäume, daß das Feuer brause recht.
Eine große Stadt versank in gelbem Rauch,
Warf sich lautlos in des Abgrunds Bauch.
Aber riesig über glühnden Trümmern steht
Der in wilde Himmel dreimal seine Fackel dreht,
Über sturmzerfetzter Wolken Widerschein,
In des toten Dunkels kalten Wüstenein,
Daß er mit dem Brande weit die Nacht verdorr,
Pech und Feuer träufet unten auf Gomorrh.
Georg Heym, 1887-1912
Bild: Vögel im winterlichen Baum. Binnenheide bei Kevelaer im Dezember 2022.
Peace is a fiction of our Faith—
The Bells a Winter Night
Bearing the Neighbor out of Sound
That never did alight.
Emily Dickinson, 1830-1886
Bild: Frost im Garten. Februar 2022.
Bewaffneter Friede
Ganz unverhofft auf einem Hügel
sind sich begegnet Fuchs und Igel.
Halt! rief der Fuchs, du Bösewicht!
Kennst du des Königs Order nicht!
Ist nicht der Friede längst verkündigt,
Und weißt du nicht, daß jeder sündigt,
der immer noch gerüstet geht!
Im Namen seiner Majestät,
komm her und übergib dein Fell!
Der Igel sprach: Nur nicht so schnell,
nur nicht so schnell!
Laß dir erst deine Zähne brechen,
dann wollen wir uns weitersprechen.
Und also bald macht er sich rund,
zeigt seinen dichten Stachelbund
und trotzt getrost der ganzen Welt,
bewaffnet, doch als Friedensheld.
Wilhelm Busch, 1832-1908
Bild: Kerzenkapelle St. Michael in Kevelaer, Februar 2022.
Der Friede
Der Friede stürzt ins Land
Gleich einem Schaf, von Wölfen angerissen.
Er trägt ein grau Gewand,
Zerflattert und zersplissen.
Sein Antlitz ist zerfressen,
Sein Auge ohne Glanz.
Er hat vergessen
Den eignen Namen ganz.
Gleich einem alten Kind
(Gealtert früh in Harmen)
Steht er im Abendwind
Und bettelt um Erbarmen.
Es glänzt sein blondes Haar,
Der Sonne doch ein Teilchen.
Er bietet lächelnd dar
Ein welkes Herz und welke Veilchen.
Klabund, 1890-1928
Bild: Ruhrufer bei Alstaden im Juni 2020.
Peace
AH, that Time could touch a form
That could show what Homer's age
Bred to be a hero's wage.
'Were not all her life but storm
Would not painters paint a form
Of such noble lines,' I said,
'Such a delicate high head,
All that sternness amid charm,
All that sweetness amid strength?'
Ah, but peace that comes at length,
Came when Time had touched her form
William Butler Yeats, 1865-1939
Im Park von Schloss Moyland. Bronzeplastik "Der Friede" von Hans Reicher.
Peace
When will you ever, Peace, wild wooddove, shy wings shut,
Your round me roaming end, and under be my boughs?
When, when, Peace, will you, Peace? I'll not play hypocrite
To own my heart: I yield you do come sometimes; but
That piecemeal peace is poor peace. What pure peace allows
Alarms of wars, the daunting wars, the death of it?
O surely, reaving Peace, my Lord should leave in lieu
Some good! And so he does leave Patience exquisite,
That plumes to Peace thereafter. And when Peace here does house
He comes with work to do, he does not come to coo,
He comes to brood and sit.
Gerard Manley Hopkins , 1844-1889
Bild: Taube bei De Haan, Sommer 2023
There Will Come Soft Rains
(War Time)
There will come soft rains and the smell of the ground,
And swallows circling with their shimmering sound;
And frogs in the pools singing at night,
And wild plum trees in tremulous white,
Robins will wear their feathery fire
Whistling their whims on a low fence-wire;
And not one will know of the war, not one
Will care at last when it is done.
Not one would mind, neither bird nor tree
If mankind perished utterly;
And Spring herself, when she woke at dawn,
Would scarcely know that we were gone.
Sara Teasdale, 1884-1933
Bild.: Wolken am Niederrhein, 2016.
The rose of peace
If Michael, leader of God's host
When Heaven and Hell are met,
Looked down on you from Heaven's door-post
He would his deeds forget.
Brooding no more upon God's wars
In his divine homestead,
He would go weave out of the stars
A chaplet for your head.
And all folk seeing him bow down,
And white stars tell your praise,
Would come at last to God's great town,
Led on by gentle ways;
And God would bid His warfare cease,
Saying all things were well;
And softly make a rosy peace,
A peace of Heaven with Hell.
William Butler Yeats, 1865-1939
Bild: Rose "Mountain Snow" im Juni 2021.
Friede
Die Sonne duckt sich auf den Zweigen,
Die Vögel halten Mittagsruh;
Ein süßes sommerliches Schweigen
Geht durch den Wald auf seidnem Schuh.
Libellen schweben auf dem Riede
Wie bunte Traume dort und hier.
Es ist so still, als saß der Friede
Im weichen Moose neben mir.
Adolf Ey, 1844-1934
Bild: An der Fleuth, Binnenheide, Kevelaer 2022.
I many times thought Peace had come
When Peace was far away—
As Wrecked Men—deem they sight the Land—
At Centre of the Sea—
And struggle slacker—but to prove
As hopelessly as I—
How many the fictitious Shores—
Before the Harbor be—
Emily Dickinson, 1830-1886
Bild: Märzenbecher im Garten, März 2022.
Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elisium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligthum.
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng getheilt,
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.
Friedrich von Schiller, 1759-1805
Bild: Weißdorn im Garten, Mai 2023.
Nun danket all und bringet Ehr,
ihr Menschen in der Welt,
dem, dessen Lob der Engel Heer
im Himmel stets vermeld’t.
Er gebe uns ein fröhlich Herz,
erfrische Geist und Sinn
und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz
ins Meeres Tiefe hin.
Er lasse seinen Frieden ruhn
auf unserm Volk und Land;
er gebe Glück zu unserm Tun
und Heil zu allem Stand.
Das vom evangelischen Theologen Paul Gerhardt 1647 gedichtete Kirchenlied findet sich in vielen Gesangbüchern, im evangelischen Gesangbuch und im katholischen Gotteslob. Seine Verse haben mich mein Leben lang begleitet. Paul Gerhard (1607-1676) verlor mit 13 Jahren seine Eltern, musste seine Frau sowie vier seiner fünf Kinder begraben und überlebte doch den 30-jährigen Krieg mit seinen furchtbaren Schrecken. Seine Verse können auch heute Hoffnung spenden und Flügel verleihen.
https://www.youtube.com/watch?v=njfhJ_zcAmI
No man is an island
No man is an island,
Entire of itself;
Every man is a piece of the continent,
A part of the main.
If a clod be washed away by the sea,
Europe is the less,
As well as if a promontory were:
As well as if a manor of thy friend's
Or of thine own were.
Any man's death diminishes me,
Because I am involved in mankind.
And therefore never send to know for whom the bell tolls;
It tolls for thee.
John Donne, 1572-1631
Bild: Mohnfeld bei De Haan in Belgien im Sommer 2025