Farben - Colors
Farben - Colors
- Alle meine Farben - Volkslied
- Colors - Christina Rossetti
- Colors - Margaret E. Sangster
- Easter - Fannie Isabelle Sherrick
Blau - Blue
- Die Farbe BLAU - Claus Niederau
(siehe Seite Eigene Texte) - Die Welt ist so schön - Heinrich Heine
- Blue - Annette Wynne
- Mein blaues Klavier Else Lasker Schüler
- Der Himmel ist blau - Friederike Kempner
- Die blaue Blume - Joseph von Eichendorff
- An Novalis - Georg Trakl
- Sommerhimmelblaue Glockenblumen - Hugo Salus
- Fragmentary Blue - Robert Frost
- A Slash of Blue - Emily Dickinson
- The Mystic Blue - David Herbert Lawrence
- Traubenhyazinthe - Barthold Hinrich Brockes
- Iris - Luise Hensel
- Träumerei in Hellblau - Georg Heym
- Blue Squills - Sara Teasdale
- Blaue Hortensie - Rainer Maria Rilke
Rosa - Pink Rosa Hortensie - Rainer Maria Rilke
- Pink Blossoms - Marion E. Hamilton
- The woods are pink - Emily Dickinson
- The Pink - Henry King
- The pink carnation - Henry Lawson
Rot - Red
- Mohn - Carl Wolff
- Der Schamhafftigkeit Farbe - Friedrich von Logau
- Red Gladiolus - Claude McKay
- Now Sleeps the Crimson Petal - Alfred Lord Tennyson
- The red wheelbarrow - William Carlos Williams
Gelb - Yellow
- Butterblumengelbe Wiesen - Christian Morgenstern
- Nature rarer uses yellow - Emily Dickinson
- Theme in yellow - Carl Sandburg
- Symphony In Yellow - Oscar Wilde
- The Evening Primrose - Amy Lowell
Grün - Green
- Green - D. H. Lawrence
- The green eye - Milton Hayes
- Immergrün - Friederike Kempner
- Grün - Johann Nepomuk Vogl
Schwarz - Black
- Domination of Black - Wallace Stevens
- Written Near a Port on a Dark Evening - Charlotte Smith
Weiß - White
- Von weißen Azaleen - Else Lasker-Schüler
- White - Emily Dickinson
Silber - Silver
- The sky a silver - E .E. Cummings
- Der Silberreiher - Li-tai-pe
Gold - Golden
- An den Ritter aus Gold - Else Lasker-Schüler
- Nothing gold can stay - Robert Frost
Alle meine Farben
Grün, grün, grün sind alle meine Kleider.
Grün, grün, grün ist alles, was ich hab.
Darum lieb ich alles, was so grün ist,
Weil mein Schatz ein Jägermeister ist.
Rot, rot, rot sind alle meine Kleider.
Rot, rot, rot ist alles, was ich hab.
Darum lieb ich alles was so rot ist,
Weil mein Schatz ein Feuerwehrmann ist
Blau, blau, blau sind alle meine Kleider.
Blau, blau, blau ist alles, was ich hab.
Darum lieb ich alles, was so blau ist,
Weil mein Schatz ein Matrose ist.
Schwarz, schwarz, schwarz sind alle meine Kleider.
Schwarz, schwarz, schwarz ist alles, was ich hab.
Darum lieb ich alles, was so schwarz ist,
Weil mein Schatz ein Schornsteinfeger ist.
Weiß, weiß, weiß sind alle meine Kleider.
Weiß, weiß, weiß ist alles, was ich hab.
Darum lieb ich alles, was so weiß ist,
Weil mein Schatz ein Müller ist.
Bunt, bunt, bunt sind alle meine Kleider.
Bunt, bunt, bunt ist alles, was ich hab.
Darum lieb ich alles, was so bunt ist,
Weil mein Schatz ein Malermeister ist.
Volkslied, um 1870.
Bild: Glas-Bonbons in Murano bei Venedig im Jahr 2007.
Color
What is pink? a rose is pink
By a fountain's brink.
What is red? a poppy's red
In its barley bed.
What is blue? the sky is blue
Where the clouds float thro'.
What is white? a swan is white
Sailing in the light.
What is yellow? pears are yellow,
Rich and ripe and mellow.
What is green? the grass is green,
With small flowers between.
What is violet? clouds are violet
In the summer twilight.
What is orange? Why, an orange,
Just an orange!
Christina Rossetti, 1830-1894
Bild: Sommerlich bunter Garten im Juli 2023.
Colors
I love color.
I love flaming reds,
And vivid greens,
And royal flaunting purples.
I love the startled rose of the sun at dawning,
And the blazing orange of it at twilight.
I love color.
I love the drowsy blue of the fringed gentian,
And the yellow of the goldenrod,
And the rich russet of the leaves
That turn at autumn-time....
I love rainbows,
And prisms,
And the tinsel glitter
Of every shop-window.
I love color.
And yet today,
I saw a brown little bird
Perched on the dull-gray fence
Of a weed-filled city yard.
And as I watched him
The little bird
Threw back his head
Defiantly, almost,
And sang a song
That was full of gay ripples,
And poignant sweetness,
And half-hidden melody.
I love color....
I love crimson, and azure,
And the glowing purity of white.
And yet today,
I saw a living bit of brown,
A vague oasis on a streak of gray,
That brought heaven
Very near to me.
Margaret E. Sangster, 1838-1912
Bild: Tulpenvielfalt im März 2020.
Easter
Let all the flowers wake to life;
Let all the songsters sing;
Let everything that lives on earth
Become a joyous thing.
Wake up, thou pansy, purple-eyed,
And greet the dewy spring;
Swell out, ye buds, and o'er the earth
Thy sweetest fragrance fling.
Why dost thou sleep, sweet violet?
The earth has need of thee;
Wake up and catch the melody
That sounds from sea to sea.
Fannie Isabelle Sherrick, 1860-1880
Excerpt of the poem
Bild: Stiefmütterchen und Hornveilchen im Garten. Ostern 2025.
Die Farbe BLAU: Natur- und Geisteswissenschaftliches
Blau ist heute international die Lieblingsfarbe der meisten Menschen. Ein Essay zur Farbe Blau im Kapitel "Eigene Texte" beleuchtet verschiedene natur- und geisteswissenschaftliche Aspekte zu diesem Thema.
Bild. Flachsfeld bei DeHaan im Poldergebiet an der belgischen Nordseeküste. Juni 2025.
Die Welt ist so schön und der Himmel so blau,
Und die Lüfte die wehen so lind und so lau,
Und die Blumen winken auf blühender Au’,
Und funkeln und glitzern im Morgenthau,
Und die Menschen jubeln, wohin ich schau’, –
Und doch möcht’ ich im Grabe liegen,
Und mich an ein todtes Liebchen schmiegen.
Heinrich Heine, 1822.
Buch der Lieder. Lyrisches Intermezzo XXXI.
Bild: Himmel und Weinfelder in der Südpfalz
Blue
When God made everything
I'm glad he had a lot of blue-
A great big sky for all the world
And eyes like yours for you.
Annette Wynne
From: For day and days. A year-round treasure of child verse, 1919.
https://archive.org/details/fordaysdaysyearr00wynn/page/n7/mode/1up?view=theater
Bild: Sommerhimmel bei Kevelaer am Niederrhein im Juli 2020.
Mein blaues Klavier
Ich habe zu Hause ein blaues Klavier
Und kenne doch keine Note.
Es steht im Dunkel der Kellertür,
Seitdem die Welt verrohte.
Es spielten Sternenhände vier -
- Die Mondfrau sang im Boote-
Nun tanzen die Ratten im Geklirr.
Zerbrochen ist die Klaviatür…
Ich beweine die blaue Tote.
Ach liebe Engel öffnet mir
- Ich aß vom bitteren Brote -
Mir lebend schon die Himmelstür -
Auch wider dem Verbote.
Else Lasker-Schüler, 1869-1945
Bild: Blauer Himmel am Niederrhein im Juli 2020.
Der Himmel ist blau
Die Erde so grün,
O lass uns ein wenig
Nach Süden hin ziehn!
Dort blühet die Myrte
Orangen sind frisch
Dort decken die Blüten
Dir freundlich den Tisch.
Friederike Kempner, 1828-1904
Der "Blaue Himmel" ist Gegenstand zahlreicher berühmter deutscher Gedichte, neben Friederike Kempners „Der Himmel ist blau“ ist das romantische Gedicht „Blauer Himmel“ von Adelbert von Chamisso zu nennen. Später wurde das Sujet aufgegriffen von Alfred Andersch in seinem letzten Gedichtband mit dem Titel „Empört Euch, der Himmel ist blau“ (Diogenes 1977). Enzensbergers hat Andersch in seinem Gedichtband „Über die Wolken“ (Suhrkamp 2003) mit diesen Versen geantwortet: "Der blaue Himmel ist blau. Damit ist alles gesagt über den blauen Himmel.“ Ich denke hingegen, dass noch lange nicht alles über den blauen Himmel gesagt ist...
Die Gedichte von Andersch und Enzensberger sind vom Copyright geschützt, so dass ich sie hier nicht vollständig zitieren kann. Man kann die Bücher aber im Buchhandel oder online erwerben.
Bild: Blau des Südens. Venedig 2007.
Die blaue Blume
Ich suche die blaue Blume,
Ich suche und finde sie nie,
Mir träumt, dass in der Blume
Mein gutes Glück mir blüh.
Ich wandre mit meiner Harfe
Durch Länder, Städt und Au'n,
Ob nirgends in der Runde
Die blaue Blume zu schaun.
Ich wandre schon seit lange,
Hab lang gehofft, vertraut,
Doch ach, noch nirgends hab ich
Die blaue Blum geschaut.
Joseph von Eichendorff, 1788-1857
Bild: Wiese am Ufer der Maas bei den Maasdünen. Juni 2022.
An Novalis
In dunkler Erde ruht der heilige Fremdling.
Es nahm von sanftem Munde ihm die Klage der Gott,
Da er in seiner Blüte hinsank.
Eine blaue Blume
fortlebt sein Lied im nächtlichen Haus der Schmerzen.
Georg Trakl, 1887-1914
Die „Blaue Blume“ wurde als wichtiges Symbol der Romantik erstmals von Novalis eingeführt. Sie symbolisiert seitdem Sehnsucht, Liebe, Ferne und Unendlichkeit. Oft dienten Kornblume und Wegwarte als die blauen Blumen.
Bild: Sommerliche Wiese mit Kornblumen bei Kevelaer am Niederrhein 2022.
Glockenblumen
Sommerhimmelblaue Glockenblumen!
Schöne Freundin, du geliebt vor allen,
Zwischen Großstadtmauern in dein Gärtchen
Ist ein Stückchen Himmelblau gefallen.
Sommerhimmelblaue Glockenblumen!
Gärtchen ist ganz himmelblau von Glocken,
Die mit holdem Neigen, trautem Schweigen
In dein Stückchen Himmelreich verlocken.
Zwischen Großstadtmauern Glockenblumen!
Zwischen diesen sommerhimmelblauen
Glockenblumen laß mich sommerselig
Tief dir in die blauen Augen schauen ....
Hugo Salus, 1866-1929
Bild: Glockenblumen am Ufer der Maas bei Arcen in den Niederlanden. Juni 2023.
Fragmentary Blue
Why make so much of fragmentary blue
In here and there a bird, or butterfly,
Or flower, or wearing-stone, or open eye,
When heaven presents in sheets the solid hue?
Since earth is earth, perhaps, not heaven (as yet) -
Though some savants make earth include the sky;
And blue so far above us comes so high,
It only gives our wish for blue a whet.
Robert Frost, 1874-1963
Kornblume, cornflower, centaurea cyanus, bachelor's button, le bleuet, centaurée bleuet, azulejo o pincel, il fiordaliso o cìano ... is recognized as the German Romantic symbol of the Blue Flower (Blaue Blume). Due to legends, blue cornflowers were worn by young men in love; if the flower faded quickly, the man's love was probably not returned. The blue cornflower has also been a symbol for nations, provinces, political parties, veterans, associations, schools, colleges, etc.
Picture taken in our garden in August 2020 after a rain shower.
A slash of Blue—
A sweep of Gray—
Some scarlet patches on the way,
Compose an Evening Sky—
A little purple—slipped between—
Some Ruby Trousers hurried on—
A Wave of Gold—
A Bank of Day—
This just makes out the Morning Sky.
Emily Dickinson, 1830-1886
I bought a California Flower Mix at the entrance to the Botanical Garden of the Golden Gate Park in San Francisco in 2018. One of the 15 differrent flowers from this mix is "Baby Blue Eyes". The plant is native to California, Baja California, and Oregon. They bloom beautifully all sommer long however also in Germany. Picture Taken in the garden in June 2019.
The Mystic Blue
Out of the darkness, fretted sometimes in its sleeping,
Jets of sparks in fountains of blue come leaping
To sight, revealing a secret, numberless secrets keeping.
Sometimes the darkness trapped within a wheel
Runs into speed like a dream, the blue of the steel
Showing the rocking darkness now a-reel.
And out of the invisible, streams of bright blue drops
Rain from the showery heavens, and bright blue crops
Surge from the under-dark to their ladder-tops.
And all the manifold blue and joyous eyes,
The rainbow arching over in the skies,
New sparks of wonder opening in surprise.
All these pure things come foam and spray of the sea
Of Darkness abundant, which shaken mysteriously,
Breaks into dazzle of living, as dolphins that leap from the sea
Of midnight shake it to fire, so the secret of death we see.
David Herbert Lawrence, 1865-1930
Bild: Glockenblumen im Garten. Juni 2020.
Die Traubenhyazinthe
Angenehmes Frühlingskindchen,
Kleines Traubenhyazinthchen,
Deiner Farb und Bildung Zier
Zeiget mit Verwundrung mir
Von der bildenden Natur
Eine neue Schönheitsspur.
An des Stengels blauer Spitzen
Sieht man, wenn man billig sieht,
Deiner sonderbaren Blüt
Kleine blaue Kugeln sitzen,
Dran, so lange sich ihr Blatt
Noch nicht aufgeschlossen hat,
Wie ein Purpurstern sie schmücket,
Man nicht sonder Lust erblicket.
Aber wie von ungefähr
Meine Blicke hin und her
Auf die offnen Blumen liefen,
Konnt ich in den blauen Tiefen
Wie aus himmelblauen Höhen
Silberweiße Sternchen sehen,
Die in einer blauen Nacht,
So sie rings bedeckt, im Dunkeln
Mit dadurch erhöhter Pracht
Noch um desto heller funkeln.
Ihr so zierliches Gepränge,
Ihre Nettigkeit und Menge,
Die die blauen Tiefen füllt,
Schiene mir des Himmels Bild,
Welches meine Seele rührte
Und durch dieser Sternen Schein,
Die so zierlich, rein und klein,
Mich zum Herrn der Sterne führte,
Dessen unumschränkte Macht
Aller Himmel tiefe Meere,
Aller Welt- und Sonnen Heere
Durch ein Wort hervorgebracht;
Dem es ja so leicht, die Pracht
In den himmlischen Gefilden
Als die Sternchen hier zu bilden.
Durch dein sternenförmig Wesen
Gibst du mir, beliebte Blume,
Ein' Erinnerung zu lesen,
Daß wir seiner nicht vergessen,
Sondern in den schönen Werken
Seine Gegenwart bemerken,
Seine weise Macht ermessen
Und sie wie in jenen Höhen
So auf Erden auch zu sehen
Barthold Hinrich Brockes, 1680-1747
Bild: Traubenhyazinthe im Garten. April 2025.
Iris heißt die zarte Blume,
Die der Erde still erblüht,
Doch mit ihren blauen Augen
Nur zum Blau des Himmels sieht.
Deinen Lebenspfad zu schmücken
Hier im dunklen Schattenland,
Hat der gute Gärtner milde
Mich zu dir herabgesandt.
Luise Hensel (1798-1876)
Bild: Blaus iris im Garten, Juli 2023.
Träumerei in Hellblau
Alle Landschaften haben
Sich mit Blau gefüllt.
Alle Büsche und Bäume des Stromes,
Der weit in den Norden schwillt.
Blaue Länder der Wolken,
Weiße Segel dicht,
Die Gestade des Himmels in Fernen
Zergehen in Wind und Licht…
Georg Heym, 1911.
Bild: Himmel am Niederrhein
Blue Squills
How many million Aprils came
Before I ever knew
How white a cherry bough could be,
A bed of squills, how blue.
Sara Teasdale, 1918. 1. Strophe des Gedichts
Bild: Hyazinthe im Garten, April 2025.
Blaue Hortensie
So wie das letzte Grün in Farbentiegeln
sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh,
hinter den Blütendolden, die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.
Sie spiegeln es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;
Verwaschenes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.
Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen
in einer von den Dolden, und man sieht
ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.
Rainer Maria Rilke. 1906, Paris.
Bild: Im Hortensiengarten von Schloss Moyland im Juli 2021.
Rosa Hortensie
Wer nahm das Rosa an?
Wer wusste auch, dass es sich sammelte in diesen Dolden?
Wie Dinge unter Gold, die sich entgolden,
entröten sie sich sanft, wie im Gebrauch.
Dass sie für solches Rosa nichts verlangen.
Bleibt es für sie und lächelt aus der Luft?
Sind Engel da, es zärtlich zu empfangen,
wenn es vergeht, großmütig wie ein Duft?
Oder vielleicht auch geben sie es preis,
damit es nie erführe vom Verblühn.
Doch unter diesem Rosa hat ein Grün
gehorcht, das jetzt verwelkt und alles weiß.
Rainer Maria Rilke
Herbst 1907 in Paris oder Frühling 1908 in Capri. Of the poem Pink Hydrangea I could not find a good english translation which is in public domain. You may easily find a good english version in the internet e. g. by Walter Arndt. A collection of Arndt’s translation of 73 Rilke poems is also available as a book published by Dartmouth College Press. Picture taken at Schloss Moyland in July 2021.
Frequently the woods are pink—
Frequently are brown.
Frequently the hills undress
Behind my native town.
Oft a head is crested
I was wont to see—
And as oft a cranny
Where it used to be—
And the Earth— they tell me—
On its Axis turned!
Wonderful Rotation!
By but twelve performed!
Emily Dickinson
Bild: Rotdorn im Vorgarten. Mai 2020.
The Pink
Fair one, you did on me bestow
Comparisons too sweet to ow;
And but I found them sent from you
I durst not think they could be true.
But 'tis your uncontrolled power
Goddess-like to produce a flower,
And by your breath, without more seed,
Make that a Pink which was a Weed.
Because I would be loth to miss
So sweet a Metamorphosis,
Upon what stalk soere I grow
Disdain not you sometimes to blow
And cherish by your Virgin eye
What in your frown would droop and die:
So shall my thankful leaf repay
Perfumed wishes every day:
And o're your fortune breathe a spell
Which may his obligation tell,
Who though he nought but air can give
Must ever your (Sweet) creature live.
Henry King, 1592-1669
Bild: Leuchtende Platterbse in der Südpfalz. September 2023.
Pink Blossoms
PINK blossoms blow against a blue spring sky;
Why must these blossoms die?
The songs of birds are pain, which once were sweet;
Was ever life complete?
Marion Ethel Hamilton,1919.
Picture taken from a pink gladiolus in our garden in July 2020.
The Pink Carnation
I may walk until I’m fainting, I may write until I’m blinded,
I might drink until my back teeth are afloat,
But I can’t forget my ruin and the happy days behind it,
When I wore a pink carnation in my coat.
Oh, I thought that time could conquer, and I thought my heart would harden,
But it sends a sudden lump into my throat,
When I think of what I have been, and the cottage and the garden,
When I wore a pink carnation in my coat.
God forgive you, girl, and bless you! Let no line of mine distress you –
I am sorry for the bitter lines I wrote;
But remember, and think kindly, for we met and married blindly,
When I wore a pink carnation in my coat.
Henry Lawson, 1867-1922
Picture taken in the garden in July 2020.
Mohn
Lodernd in Schönheit,
flackernd in brennender Glut,
rot wie die Sinne,
heiß wie rauschendes Blut
sehe ich rings deine taumelnden Flammen loh'n,
blühender Mohn!
Ferne im Norden, zwischen der Straßen Grau,
weiß ich eine schöne und kalte Frau.
Meiner Sehnsucht purpurne Flügel
gleiten zu ihr über Täler und Hügel,
möchten sie tragen auf diese Auen,
auf deiner jauchzenden Schönheit Thron,
glühender Mohn!
Und ich weiß, deine wogenden Flammen
schlügen um ihre erwachenden Sinne
siegend zusammen.
Und sie würde sich taumelnd und trunken,
ganz in Licht und Duft versunken
in deine Blüten legen müssen —
und mich küssen.
Carl Wolff, 1884-1938
Aus der Sammlung "Auf Stillen Wegen". Bild: Mohn im Garten, Juni 2020.
Der Schamhafftigkeit Farbe
Carmesin-roth hält man werth;
Reines Weiß wird offt begehrt;
Purpur hat nicht schlechten Ruhm;
Gold begehrt das Eigenthum;
Billich aber wird geacht
Farbe, die die Tugend macht.
Friedrich Logau, 1605-1655
Friedrich von Logau war ein aus Schlesien stammender deutscher Barock-Dichter; er verfasste mehr als dreitausend Epigramme. Seine Sinn-Gedichte sind aber formal und inhaltlich oft keine klassischen Epigramme, sie enthalten viele stilistische Eigenheiten und Neologismen. Die Themen sind vielfältig. Er beklagte den verheerenden (30-jährigen) Krieg und kritisierte die damaligen Politiker. Logau beschrieb, dass die Welt in Unordnung geraten sei und dass der Moralist und Kritiker (eben deshalb) bei ihrer Beschreibung kein Ende finden könne. Ein Beispiel-Gedicht mit dem Titel „Des Krieges Buchstaben“ ist hier im Kapitel Frieden zu finden. Es ist von brennender Aktualität. Logaus Werk geriet zunächst in Vergessenheit, bis es Gotthold Ephraim Lessing wiederentdeckte; er nannte Friedrich von Logau „einen von unseren besten alten Dichtern“. Gottfried Keller machte einen der Logauschen Sinnsprüche zum Leitmotiv seines Novellenzyklus Das Sinngedicht:
Wie willst du weiße Lilien zu roten Rosen machen?
Küß eine weiße Galathee, sie wird errötend lachen!
https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Logau
https://kulturstiftung.org/biographien/logau-friedrich-2
Bild: Rote Kamelie im Garten. März 2021.
The Red Wheelbarrow
so much depends
upon
a red wheel
barrow
glazed with rain
water
beside the white
chickens
William Carlos Williams, 1923
Eine Reihe von deutschen und englischen Rosen-Gedichte zur Farbe ROT sind im Kapitel "Rosen" zu finden.
Einige wunderbare jüngere Gedichte zur Farbe ROT sind noch nicht gemeinfrei und werden deshalb hier nur genannt:
- “The Red Poppy” aus dem Band “The Wild Iris” von Louise Glück
- “The History of Red” aus dem Band “The Book of Medicines” von Linda Hogan
- “Little Red Cap” aus dem Band “The World’s Wife” von Carol Ann Duffy
Bild: Rote Kamelie im Garten im März 2024.
Gladiolus. A Red Flower.
Your lips are like a southern lily red,
Wet with the soft rain-kisses of the night,
In which the brown bee buries deep its head,
When still the dawn's a silver sea of light.
Your lips betray the secret of your soul,
The dark delicious essence that is you,
A mystery of life, the flaming goal
I seek through mazy pathways strange and new.
Your lips are the red symbol of a dream,
What visions of warm lilies they impart,
That line the green bank of a fair blue stream,
With butterflies and bees close to each heart!
Claude McKay, 1922.
Bild: Rote Gladiole im Garten, August 2023.
Now Sleeps the Crimson Petal
Now sleeps the crimson petal, now the white;
Nor waves the cypress in the palace walk;
Nor winks the gold fin in the porphyry font:
The fire-fly wakens: waken thou with me.
Now droops the milkwhite peacock like a ghost,
And like a ghost she glimmers on to me.
Now lies the Earth all Danaë to the stars,
And all thy heart lies open unto me.
Now slides the silent meteor on, and leaves
A shining furrow, as thy thoughts in me.
Now folds the lily all her sweetness up,
And slips into the bosom of the lake:
So fold thyself, my dearest, thou, and slip
Into my bosom and be lost in me.
Alfred Lord Tennyson, 1809-1892
Bild: Purpurne Gladiole im Garten, August 2020.
Butterblumengelbe Wiesen,
sauerampferrot getönt, -
o du überreiches Sprießen,
wie das Aug dich nie gewöhnt!
Wohlgesangdurchschwellte Bäume,
wunderblütenschneebereift -
ja, fürwahr, ihr zeigt uns Träume,
wie die Brust sie kaum begreift.
Christian Morgenstern (1871-1914)
Bild: Blumenwiese bei Kevelaer, Juli 2020.
Nature rarer uses yellow
Than another hue;
Saves she all of that for sunsets,--
Prodigal of blue,
Spending scarlet like a woman,
Yellow she affords
Only scantly and selectly,
Like a lover's words.
Emily Dickinson, 1830-1886
Bild: Goldfelberich im Garten 2020. Yellow loose strife.
Theme in Yellow
As Summer into Autumn slips
And yet we sooner say
"The Summer" than "the Autumn," lest
We turn the sun away,
And almost count it an Affront
The presence to concede
Of one however lovely, not
The one that we have loved --
So we evade the charge of Years
On one attempting shy
The Circumvention of the Shaft
Of Life's Declivity.
Carl Sandburg, published 1916.
Bild: Weinblätter bei Oberotterbach in der Südpfalz. September 2012.
Symphony In Yellow
An omnibus across the bridge
Crawls like a yellow butterfly,
And, here and there a passer-by
Shows like a little restless midge.
Big barges full of yellow hay
Are moored against the shadowy wharf,
And, like a yellow silken scarf,
The thick fog hangs along the quay.
The yellow leaves begin to fade
And flutter from the temple elms,
And at my feet the pale green Thames
Lies like a rod of rippled jade.
Oscar Wilde, 1854-1900
Bild: Gelbe Rosen im Garten, Oktober 2023.
The evening primrose, comrade of the stars.
It seems as though the garden which you love
Were like a swinging censer, its incense
Floating before us as a reverent act
To sanctify and bless our night of love.
Amy Lowell, 1874-1925
Excerpt of the poem Diya
Bild: Nachtkerze im abendlichen Garten, Juli 2018.
Evening primrose in the garden in the early evening.
Green
The dawn was apple-green,
The sky was green wine held up in the sun,
The moon was a golden petal between.
She opened her eyes, and green
They shone, clear like flowers undone
For the first time, now for the first time seen.
D. H. Lawrence, 1885-1930
Bild: Blüte des Kugelahorns im Mai 2023.
The Green Eye of the Yellow God
There's a one-eyed yellow idol to the north of Khatmandu,
There's a little marble cross below the town;
There's a broken-hearted woman tends the grave of Mad Carew,
And the Yellow God forever gazes down.
J. Milton Hayes, 1911
Opening lines of the poem
Bild: In einem Garten in Twisteden, Kevelaer. Landpartie Juni 2023.
Immergrün
Immergrün trotz Zeit und Wetter,
Pflänzchen, zart und fest und schön,
Smaragdfarben Deine Blätter,
Könntest bei den schönsten steh'n.
Denn der Freieste von Allen,
Dessen Blick man nie bestach,
Rousseau fand an Dir Gefallen,
War gerührt, wenn er Dich brach.
Wenn er Deinen zarten Stengel
Selten froh in Händen nahm,
Zagend, forschend, suchend Mängel,
Und zum Vorschein keiner kam. –
Pflänzchen, liebstes mir von allen,
Ewig bleibst Du teuer mir,
Rousseau konntest Du gefallen:
Dank für seine Freuden Dir!
Friederike Kempner, 1828-1904
Bild: Immergrün im Garten. Juni 2020.
Grün
Grün, ja Grün nur soll allein
Immer meine Farbe sein,
Grün ist ja der frische Wald,
Froher Sänger Aufenthalt,
Grün, des Frühlings heit’res Bild;
Grün, der Hoffnung Farbenschild,
Grün, der Jungfrau Myrtenkranz,
Der sie schmückt mit höchstem Glanz,
Grün, des Helden Lorberkron’,
Grün die Palme, die zum Lohn
Jedem Dulder, der erbleicht,
Lächelnd dort ein Engel reicht.
Ach, und wie erquickt so mild
Immergrün im Schneegefild.
D’rum, so lang’ noch Farben glüh’n,
Sei die meine immer Grün.
Johann Nepomuk Vogl, 1802-1866
Bild: Vor der Weinlese bei Schweigen in der Südpfalz, September 2023.
Domination Of Black
At night, by the fire,
The colors of the bushes
And of the fallen leaves,
Repeating themselves,
Turned in the room,
Like the leaves themselves
Turning in the wind.
Yes: but the color of the heavy hemlocks
Came striding.
And I remembered the cry of the peacocks.
The colors of their tails
Were like the leaves themselves
Turning in the wind,
In the twilight wind.
They swept over the room,
Just as they flew from the boughs of the hemlocks
Down to the ground.
I heard them cry — the peacocks.
Was it a cry against the twilight
Or against the leaves themselves
Turning in the wind,
Turning as the flames
Turned in the fire,
Turning as the tails of the peacocks
Turned in the loud fire,
Loud as the hemlocks
Full of the cry of the peacocks?
Or was it a cry against the hemlocks?
Out of the window,
I saw how the planets gathered
Like the leaves themselves
Turning in the wind.
I saw how the night came.
Wallace Stevens, 1879-1955
Poem published in 1916.
Bild: Burg Trifels in der Dämmerung. Annweiler im August 2005.
Written Near a Port on a Dark Evening
Huge vapours brood above the clifted shore,
Night on the ocean settles dark and mute,
Save where is heard the repercussive roar
Of drowsy billows on the rugged foot
Of rocks remote; or still more distant tone
Of seamen in the anchored bark that tell
The watch relieved; or one deep voice alone
Singing the hour, and bidding ‘Strike the bell!’
All is black shadow but the lucid line
Marked by the light surf on the level sand,
Or where afar the ship-lights faintly shine
Like wandering fairy fires, that oft on land
Misled the pilgrim – such the dubious ray
That wavering reason lends in life’s long darkling way.
Charlotte Smith, 1749-1806
Bild: Schiff in der Nordsee bei Zeeland. September 2006.
Und von weißen Azaleen sangen...
Unsere Seelen hingen an den Morgenträumen.
Wie die Herzkirschen,
Wie lachendes Blut an den Bäumen.
Kinder waren unsere Seelen,
Als sie mit dem Leben spielten,
Wie die Märchen sich erzählen.
Und von weißen Azaleen
Sangen die Spätsommerhimmel
Über uns im Südwindwehen.
Und ein Kuß und ein Glauben
Waren unsere Seelen eins,
Wie drei Tauben.
Else Lasker-Schüler, 1869-1945
Bild: Azalee im Garten, Juni 2020.
This was in the White of the Year—
That—was in the Green—
Drifts were as difficult then to think
As Daisies now to be seen—
Looking back is best that is left
Or if it be—before—
Retrospection is Prospect's half,
Sometimes, almost more.
Emily Dickinson, 1830-1886
Bild: Steinbrech im Garten im Juni 2021.
The Sky A Silver
the sky a silver
dissonance by the correct
fingers of April
resolved
into a
clutter of trite jewels
now like a moth with stumbling
wings flutters and flops along the
grass collides with trees and
houses and finally,
butts into the river.
E. E. Cummings
Bild: Am Ruhrufer in Oberhausen-Alstaden. Mai 2020.
Der Silberreiher
Im Herbst kreist einsam überm grauen Weiher
Von Schnee bereift ein alter Silberreiher.
Ich stehe einsam an des Weihers Strand,
Die Hand am Blick, und äuge stumm ins Land.
Li-tai-pe, Nachdichtung: Klabund. Aus der Sammlung Chinesische Gedichte.
Bild: Silberreiher an der Niers, Binnenheide bei Kevelaer. Februar 2021.
An den Ritter aus Gold
Du bist alles was aus Gold ist
In der großen Welt.
Ich suche deine Sterne
Und will nicht schlafen.
Wir wollen uns hinter Hecken legen,
Uns niemehr aufrichten.
Aus unseren Händen
Süße Träumerei küssen.
Mein Herz holt sich
Von deinem Munde Rosen.
Meine Augen lieben dich an,
Du haschst nach ihren Faltern.
Was soll ich tun,
Wenn du nicht da bist.
Von meinen Lidern
Tropft schwarzer Schnee;
Wenn ich tot bin,
Spiele du mit meiner Seele.
Else Lasker-Schüler, 1869-1945
Bild: Kanadische Goldrute im Garten. August 2023.
Nothing Gold Can Stay
Nature's first green is gold,
Her hardest hue to hold,
Her early leaf's a flower;
But only so an hour.
Then leaf subsides to leaf.
So Eden sank to grief,
So dawn goes down to day.
Nothing gold can stay.
Robert Frost, 1864-1973
Poem from 1923.
Bild: Gnadenkapelle in Keverlaer im Oktober 2021.